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Trump überlässt das Feld den Autokraten: Nicht nur Putin wird sich über den Rückzug freuen
Trump überlässt das Feld den Autokraten: Nicht nur Putin wird sich über den Rückzug freuen
( Link zum Originalbild | Urheber: Mediamodifier | Pixabay | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Donald Trumps Pläne sind nicht nur für den Nahen und Mittleren Osten einschneidend, sondern auch für die Weltpolitik, schreibt Hafed Al-Ghwell für ARAB NEWS. Die Entscheidung zum Rückzug unterstreiche, dass mit den USA als globaler Ordnungsmacht nicht mehr zu rechnen sei. Das entstehende Vakuum könnten Amerikas autokratische Gegenspieler füllen.

Der Rückzug ist willkürlich und gefährlich

Mit den Ankündigungen Trumps erreicht die US-Außenpolitik für Hafed Al-Ghwell einen Höhepunkt: Die ohnehin schon plan- und erfolglose Politik im Nahen und Mittleren Osten, die speziell Afghanistan instabiler denn je hinterlassen habe, sei unter Trump nur noch „willkürlich“ und folge keiner erkennbaren sicherheitspolitischen Logik. Ähnlich äußern sich auch andere Kommentatoren: DER FREITAG vermutet einen Abzug „allein zur Feier seiner [Trumps] Willenstärke“, RUSSIA TODAY rein ökonomische Abwägungen.

Auch wenn die US-Präsenz in der Region alles andere als eine Erfolgsgeschichte sei, hält Al-Ghwell Trumps Richtungswechsel vor allem mit Blick auf die Weltpolitik im Ganzen für problematisch. Denn sie bestätigen seiner Meinung nach endgültig den Untergang der USA als Sicherheitsgarant und Supermacht – mit tiefgreifenden Folgen für die globalen Machtverhältnisse.

Die US-Regierung verlöre nicht nur jede Kontrolle über die Entwicklungen in der Region und riskiere, dass Terrororganisationen wie Al-Qaida oder der IS zu alter Stärke zurückfänden. Sie sendeten auch ein Signal der eigenen Schwäche in die Welt: Wir geben auf, schrecken zurück vor unseren Gegnern.

Folgen für die Weltpolitik

Das könne weit über die Region hinaus gravierende Folgen haben: Gelten die USA nicht mehr als verlässlicher Partner in unruhigen Zeiten, als Sicherheitsgarant, der dazu in der Lage ist, seine Verbündeten zu schützen, könnten sich auch Staaten in anderen Teilen der Welt nach neuen Allianzen umsehen.

Amerikas „Gegenspieler“ stünden bereit, um dieses Machtvakuum auszufüllen. Auch wenn Al-Ghwell diese Gegenspieler nicht explizit nennt, sind damit offensichtlich die autokratischen Regime in Moskau und Teheran, möglicherweise auch China gemeint.

Dieser Gedankengang macht Al-Ghwells Prognose zu einer interessanten Lektüre, weil er die hohe Signalwirkung von Trumps Ankündigung für die Geopolitik verdeutlicht.

 

„Der Rückzug der USA bestätigt das Narrativ von der absteigenden Supermacht und macht es wahrscheinlicher, dass verbündete und andere Staaten auch über den Nahen und Mittleren Osten hinaus neue Sicherheitsbündnisse suchen werden.“

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Jannis Carmesin

Wer steckt dahinter?

Hafed Al-Ghwell
Kommt aus:geboren in Tripolis (Libyen), mittlerweile auch amerikanischer Staatsbürger
Politische Position:galt als aktiver Gegner des ehemaligen libyischen Präsidenten Muammar al-Gaddafi
Arbeitet für/als:politischer Analyst, Berater und Kolumnist mit dem Schwerpunkt Naher und Mittlerer Osten
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