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Der Rückzug der USA könnte zu Entspannung zwischen Iran und Saudi-Arabien führen
Der Rückzug der USA könnte zu Entspannung zwischen Iran und Saudi-Arabien führen
( Link zum Originalbild | Urheber: Jakob Reimann | flickr | CC BY 2.0 )

Das Argument in Kürze:

Der Rückzug der USA könnte Nebenwirkungen haben, die US-Präsident Donald Trump sicher nicht beabsichtigt haben dürfte: Er könnte, schreibt der Politikwissenschaftler Alex Vatanka bei NATIONAL INTEREST, zu einer Annäherung Irans an die arabischen Golfstaaten führen. Denn die Golfstaaten dürften sich nach Rückzug der verbündeten USA selbst aktiver in Syrien engagieren. Ihre finanziellen Möglichkeiten für den Wiederaufbau sind dabei auch für Teheran attraktiv.

Es hängt von der iranischen Perspektive ab

Wenn das US-amerikanische Militär sich aus Syrien zurückziehe, würde das laut Vatanka vor allem den Iran nervös machen. Denn Russland und der Türkei, die dann die Oberhand hätten, vertraue Teheran nur begrenzt.

Für die arabischen Staaten biete der Rückzug der USA dagegen eine Chance. Er mache deutlich, dass auf die USA als Interessenvertreter kein Verlass mehr sei. Die arabischen Staaten könnten sich deshalb gezwungen sehen, das Schicksal Syriens selbst in die Hand zu nehmen, um ihre Interessen zu sichern. Mit ihren umfangreichen finanziellen Ressourcen können sie laut Vatanka mehr als der Iran in den Wiederaufbau Syriens investieren – und so ihre eigene Position in Syrien stärken.

Der Iran kann darauf auf zwei Weisen reagieren, schreibt der Politikwissenschaftler: Er kann die finanzielle Unterstützung aus den Golfstaaten als Bedrohung für seinen Einfluss in Syrien sehen. Oder er heißt sie willkommen und nutzt sie als eine Chance, um die Spannung zwischen sich und den reichen arabischen Rivalen zu verringern. Dazu aber müsste der Iran aufhören, schreibt Vatanka, Syrien nur als Möglichkeit zu sehen, regionalen Einfluss zu gewinnen.

Vatankas Perspektive ist eine ungewöhnlich positive Einschätzung der geopolitischen Situation. Man könnte diese Situation auch ganz anders interpretieren: Angesichts einer gelähmten internationalen Gemeinschaft haben Russland und der Iran eine brutale Diktatur am Leben erhalten. Jetzt, da die USA sich auch noch zurückziehen, wird endgültig klar: Assad bleibt. Dass die Golfstaaten nun Arbeitsbeziehungen zu diesem Regime aufnehmen, könnte auch als Schadensbegrenzung verstanden werden. Als Eregbnis einer langen und besorgniserregenden Entwicklung. Vatanka sieht das optimistischer, er empfiehlt die „andere Seite der Medaille“ nicht außer Acht zu lassen:

„Der Rückzug des US-Militärs verursacht ein Macht-Vakuum und damit auch einen stärkeren Wettkampf um die territoriale Kontrolle sowie Blutvergießen – aber das ist nur eine Seite der Medaille. Lässt man Russland und die Türkei beiseite, könnten zumindest der Iran und seine arabischen Rivalen diesen Moment als eine Möglichkeit sehen, die Fehler der letzten acht Jahre des Syrien-Krieges nicht zu wiederholen.“

Dieser Beitrag wird empohlen von: Alisa Sonntag

Wer steckt dahinter?

Alex Vatanka
Kommt aus:Washington D.C., USA
Arbeitet für/als:Politikwissenschaftler und Gefahrenanalyst sowie Buchautor mit Fokus auf Sicherheitsthemen des Nahen Ostens, insbesondere den Iran
Was Sie noch wissen sollten:Vatanka wurde in Teheran geboren. Er ist heute sowohl für Regierungs- als auch kommerzielle Institutionen vor allem in den USA tätig. Aktuell arbeitet er an seinem zweiten Buch: „The Making of Iranian Foreign Policy: Contested Ideology, Personal Rivalries and the Domestic Struggle to Define Iran‘s Place in the World“.
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