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Online-Diskussionen führen zwangsläufig zu Hass und Hetze
Online-Diskussionen führen zwangsläufig zu Hass und Hetze
( Link zum Originalbild | Urheber: K-Screen Shots | flickr | CC BY 2.0 )

Das Argument in Kürze:

Islam, Geflüchtete, Rechtspopulismus – wer sich im Internet zu diesen Themen äußert, erhält Hassnachrichten. Das haben Marie Bröckling, Alexander Fanta, Leo Thüer und Julian Pütz von der Plattform NETZPOLITIK.ORG herausgefunden. Dafür haben sie im Rahmen des „Political Speech Projects“ etwa 10.000 deutschsprachige, zufällig ausgewählte Facebook-Kommentare und Tweets an 45 deutsche Abgeordnete gesichtet. Das Rechercheprojekt fand zeitgleich auch in Frankreich, Italien und der Schweiz statt.

Besonders die Themen Islam, AfD und Migration sorgen für Hassreaktionen

Etwa einer von 20 Kommentaren an die Politiker wurde als menschenverachtend und beleidigend eingestuft. Auffällig: Meistens waren diese Kommentare eine Reaktion auf Posts, in denen es um die Themen Migration, Islam oder die AfD ging. Außerdem ordneten die Autoren sechs von zehn aggressiven Kommentaren als klar rechts ein.

Ein beliebtes Forum für rechte Hetzer seien die Facebook-Seiten der AfD-Politiker Alice Weidel und Jörg Meuthen. Aber auch scheinbar harmlose Themen, wie die Diskussion um eine gesetzliche Impfpflicht in Italien, ließen in den Kommentarspalten italienischer Politiker die Gemüter hochkochen. Aber Achtung: Nicht jede Netzdebatte, wo es mal etwas emotionaler zugehe und etwas heftiger kritisiert werde, sei gleich ein „Shitstorm“, bemängelt das Recherche-Team. Oft werden auch weitestgehend hassfreie Netzdebatten von Medien vorschnell als Shitstorm bezeichnet.

Fazit der Autoren: Es gibt klare Tendenzen beim Hass im Netz. Besonders die Themen Migration, Muslime und AfD sorgen auf Facebook für Zündstoff. Wer sich zu diesen politischen Themen äußert, muss eher mit Hasskommentaren rechnen. Zu kurz greifen dabei die Regulierungsansätze der Plattformen und die rechtlichen Vorgaben der Bundesregierung.

Rechte Hetze im Netz lässt sich nicht technisch und rechtlich lösen, sondern nur mit Gegenrede. Wir müssen auf die Hetzer antworten.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Jule Zentek

 

Tiefer eintauchen:

Die Erhebungsmethode: Das Team verwendete ein dreistufiges Modell, um toxische Äußerungen in beleidigende („1“), menschenfeindliche („2“) und klar hetzerische und vermutlich illegale („3“) Aussagen einzuteilen. Dabei wurde auch bewertet, ob eine Äußerung antimuslimische, antisemitische, sexistische, homophobe oder generell fremdenfeindliche Aussagen enthielt.

Das Medien-Portal Meedia hat bei den Online-Medienplattformen Stern digital, Zeit Online, Tagesschau, Bild und Welt nach den Erfahrungen mit Nutzerkommentaren gefragt.

 

 

 

Wer steckt dahinter?

Alexander Fanta, Leo Thüer, Julian Pütz und Marie Bröckling
Kommt aus:Deutschland, Belgien
Arbeitet für/als:Fanta ist EU-Korrespondent für NETZPOLITIK.ORG in Brüssel. Bröckling schreibt als Bayern-Korrespondentin für NETZPOLITIK.ORG. Leo Thüer und Julian Pütz waren bei Erscheinen des Artikels Praktikanten bei NETZPOLITIK.ORG.
Was Sie noch wissen sollten:Fanta berichtet über Datenschutz, Urheberrecht, Digitales. Vor netzpolitik.org arbeitete er für die österreichische Nachrichtenagentur APA. Thüer hat Politikwissenschaft und Öffentliches Recht studiert und interessiert sich für Netzneutralität und Plattformregulierung. Pütz hat Politik, Verwaltung und Organisation studiert. Bröckling hat Politikwissenschaft und Chinesisch studiert.
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