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Fünf Möglichkeiten, um Hass im Netz einzudämmen
Fünf Möglichkeiten, um Hass im Netz einzudämmen
( Link zum Originalbild | Urheber: TLC Jonhson | flickr | Public Domain Mark 1.0 )

Das Argument in Kürze:
Der Auslöser ist oft nichtig, die negativen Auswirkungen für die Betroffenen dafür meist umso größer. Das Beispiel der Berliner Staatssekretärin Sawsan Chebli, die für ein Foto mit einer teuren Uhr an ihrem Handgelenk heftig kritisiert wurde, zeigt, wie schnell sich Hass im Netz aufschaukeln kann. Doch wie soll man mit der Flut von Hasskommentaren umgehen? Dirk Walbrühl bespricht in der HUFFINGTONPOST fünf Ideen, die gegen Anfeindungen im Netz helfen könnten.

1. Gesetze gegen Hasskommentare
Mittlerweile wurde mit dem Netzwerkdurchsetzungsgesetz (NetzDG) eine Grundlage geschaffen, die Plattformen wie Facebook und Twitter dazu verpflichtet, rechtswidrige Posts umgehend zu entfernen. Das muss innerhalb von 24 Stunden geschehen.

Walbrühl macht allerdings deutlich, dass das Gesetz in der Praxis kein wirkungsvolles Mittel ist. Denn die schiere Masse der gemeldeten Hass-Posts mache es den Netzwerken schwer, die gesetzte Frist einzuhalten. Das zumindest betonen die Unternehmen immer wieder. So werden bei Weitem nicht alle gemeldeten Beiträge gelöscht. Zudem stünden hier oft Meinungsfreiheit und die Pflicht zur Kontrolle im Konflikt miteinander. Auch künstliche Intelligenz könne dieses Problem nicht lösen.

2. Gebühren für bewussteres Posten
Der Gedanke scheint einfach: Wenn die Nutzung von sozialen Netzwerken Geld kosten würde, könnte das die User zu einem überdachteren Umgang animieren. So erhebt zum Beispiel Uganda seit Mitte 2018 vier Cent pro Tag für die Nutzung von Facebook.

Doch nach Meinung des Autors ist diese Idee zum Scheitern verurteilt. In Uganda können sich viele Menschen die Gebühren nicht leisten. Zudem dient Facebook der Opposition als Kommunikationsmittel. Eine Social-Media-Steuer ist, so vermutet Walbrühl letztlich nur ein Machtinstrument der Regierung.

3. Ein Quiz zum Innehalten
Auch in Norwegen haben Zeitungen mit Hasskommentaren unter ihren Artikel zu kämpfen. Um solche Entgleisungen auf ihren Seiten zu verhindern, testete die staatliche Rundfunkgesellschaft ein Quiz, das den Zugang zur Kommentarfunktion kontrolliert. Durch Fragen zum Artikel, so die Überlegung, halte man inne und konzentriere sich auf sachliche Kritik. Die Ergebnisse der Tests seien positiv ausgefallen. Eine Anwendung auf Facebook sei allerdings weitaus schwieriger.

4. Gegenöffentlichkeit durch „Counterspeech“
Hat ein „Shitstorm“ Fahrt aufgenommen, kann es auch helfen, mit besonnenen Kommentaren zu kontern. Das hat sich zum Beispiel eine Gruppe auf Facebook zum Ziel gesetzt. Unter dem Hashtag #ichbinhier leisten Facebook-User Opfern von Hasskommentaren Unterstützung. So könne verhindert werden, dass das Schweigen der Mehrheit bei Trollen als Zustimmung gewertet wird.

5. Verantwortung der Medien
Auch die Medien können, so Walbrühl, den Verlauf eines Shitstroms beeinflussen. So müsse man sich in Redaktionen fragen, ob einem Thema überhaupt größere mediale Aufmerksamkeit geschenkt werden muss oder nicht.

Mit dem Beispiel Chebli erinnert der Autor daran, dass es größere Probleme gibt als den Modegeschmack einer Politikerin. Vielmehr müssen Journalisten ihrer Sorgfaltspflicht nachkommen.

„Wenn aber klare und sachliche Gegenrede, Solidarität, guter Journalismus und wachsende Medienmündigkeit zusammenkommen, hat der digitale Hass weniger Chancen – ohne dass wir unser Recht auf freie Meinungsäußerung aufgeben müssen.“

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Patrick Ehrenberg

Wer steckt dahinter?

Dirk Walbrühl
Kommt aus:Deutschland
Arbeitet für/als:Journalist, digitales Leben
Was Sie noch wissen sollten:Er twittert unter @PerspectiveDirk.
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