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Warum morgen im neuen US-Kongress erstmal ein Sitz frei bleiben wird
Warum morgen im neuen US-Kongress erstmal ein Sitz frei bleiben wird
( Link zum Originalbild | Urheber: Casey Robertson | Unsplash | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

die Zwischenwahlen in den USA sind schon seit fast zwei Monaten vorbei, doch in North Carolina gibt es Probleme mit den Ergebnissen. Im neunten Kongressbezirk hat der Republikaner Mark Harris seinen demokratischen Gegner Dan McCready um etwa 900 Stimmen geschlagen. Doch der Wahlvorstand von North Carolina weigerte sich wiederholt, das Ergebnis zu bescheinigen, denn der Harris-Kampagne wird vorgeworfen, Briefwahlscheine manipuliert oder zerstört zu haben. Morgen wird der neue Kongress zum ersten Mal tagen. Der Sitz des neunten Bezirks von North Carolina wird dabei aber leer bleiben, denn der Wahlvorstand hat für den 11. Januar erst mal eine Vernehmung angeordnet. Allerdings ist nun unklar, ob die zustande kommen wird, denn vor wenigen Tagen hat ein Gericht den Vorstand aufgelöst wegen eines Rechtsstreits, der seit 2016 läuft und die Zusammenstellung des Vorstands für verfassungswidrig erklärt hat. Falls Beweise für die Anschuldigungen gegen Harris gefunden werden, könnte es Neuwahlen geben.

Da die deutschen Medien kaum von dem Skandal berichten, empfehlen wir einen Beitrag bei VOX, in dem der Journalist Dylan Scott erklärt, wie die Vorwürfe gegen die Harris-Kampagne überhaupt zustande gekommen sind. Bei der Wahl im neunten Kongressbezirk seien vor allem die zwei Wahlkreise Bladen County und Robeson County durch eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Briefwahlscheinen aufgefallen, die zwar beantragt, aber nicht wieder abgegeben wurden. Mehrere Zeugen aus beiden Wahlkreisen hätten angegeben, dass Angestellte einer Vertragsfirma, die von der Harris-Kampagne angeheuert war, ihre Briefwahlscheine eingesammelt haben. Manche Scheine seien noch nicht vollständig ausgefüllt, unterschrieben oder verschlossen gewesen. Scott betont allerdings, dass trotzdem niemand genau sagen könne, was tatsächlich mit den Wahlscheinen passiert ist, die beantragt, aber nicht abgegeben wurden. Zudem sei unklar, ob die Harris-Kampagne von dem Vorgehen der Vertragsfirma wusste.

Jedoch sei noch eine weitere Sache ungewöhnlich. Scott schreibt, dass Harris in keinem anderen Wahlkreis außer Bladen County die Briefwahl gewonnen habe. In Bladen County gewann Harris sogar mit 61 Prozent der Stimmen. Um dieses Ergebnis zu erreichen, hätte Harris alle Stimmen von republikanisch registrierten Wählern, fast alle Stimmen von nicht-registrierten Wählern und einen beträchtlichen Anteil der Stimmen von demokratisch registrierten Wählern erhalten müssen. Scott bezieht sich bei seinen Aussagen auf den Politikprofessor Michael Bitzer vom Catawba College in North Carolina, der die Wahlstatistiken ausgewertet hat. Scott betont wieder, dass das kein Beweis für Manipulation sei, aber doch suggeriere, dass Harris von einer Reihe ungewöhnlicher Umstände profitiert habe.

„Hier ist kein eindeutiger Vorwurf des Fehlverhaltens zu finden. Aber die Andeutung ist ziemlich klar: Harris scheint von einem ungewöhnlich hohen Anteil an Stimmen in den beiden Wahlkreisen profitiert zu haben, wo seine Angestellten gearbeitet haben und wo eine Reihe von Wählern gesagt haben, dass ihre Briefwahlscheine in einer ungewöhnlichen Art und Weise eingesammelt wurden.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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