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So funktioniert das Geschäft mit der Wut in den sozialen Medien
So funktioniert das Geschäft mit der Wut in den sozialen Medien
( Link zum Originalbild | Urheber: geralt | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

genau ein Jahr ist es her, dass das Gesetz gegen Hass im Netz in Kraft getreten ist. Es droht sozialen Netzwerken mit Geldbußen, wenn sie „strafbare Inhalte“ nicht rechtzeitig löschen und hat den schönen Namen „Netzwerkdurchsetzungsgesetz“ (kurz: NetzDG). Natürlich steht es, pünktlich zum Jahreswechsel, in der Kritik: Denn es sei eine Einschränkung der Meinungsfreiheit, so die Opposition. Und auch die Pressefreiheit sei in Gefahr, merkt der Deutsche Journalisten-Verband an. Fakt ist: Der Hass im Netz bleibt ein Problem. Erst kürzlich fragte die ZEIT ihre Leser, was man tun könne, damit Debatten im Netz ziviler ablaufen. Und die FAZ versuchte zu ergründen, woher der ganze Hass denn überhaupt kommt.

Dem geht auch der Journalist Kevin Roose nach, allerdings sehr viel anschaulicher erzählt als in der FAZ, und zwar im Podcast der New York Times. Roose hat die Geschichte des Ehepaars Corey und Christy Peppel recherchiert – der Gründer von Mad World News. Mad World News ist eine amerikanische Nachrichtenplattform mit stark rechtskonservativem Einschlag, vergleichbar Breitbart News. Auf Facebook hat sie über zwei Millionen Fans.

Spannend ist Rooses Geschichte deshalb, weil das Ehepar Peppel überhaupt keinen journalistischen Hintergrund hat: Corey war Krankenschwester, Christy Maschinenbauer. Die Plattform haben die beiden in ihrer Freizeit betrieben, bis sie damit genug verdienten, um ihre Jobs aufgeben zu können. Und mit Kevin Roose sprechen sie offen darüber, wie sie die Popularität der Plattform gesteigert haben: Indem sie Geschichten schrieben, die die Menschen wütend machten. In ihren eigenen Worten:

„Meinungsstarke [opinionated] Geschichten laufen halt besonders gut. Wir würden sehr gerne den ganzen Tag gute Nachrichten schreiben. Aber ich glaube, viele Leute sind nicht wirklich ehrlich damit, was sie mögen und was sie nicht mögen: Sie wollen den Klatsch, die schlechten Nachrichten. Es scheint so, dass uns die Spaltung gefällt. Sie gefällt uns, wir leben davon – und besonders in den sozialen Medien.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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