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Gewürzgurken im Baum – eine deutsche Weihnachtstradition?
Gewürzgurken im Baum - eine deutsche Weihnachtstradition?
( Link zum Originalbild | Urheber: clkohan | Flickr | CC BY-ND 2.0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

wir von The Buzzard wünschen Ihnen einen schönen zweiten Weihnachtsfeiertag. Welche Traditionen und Bräuche pflegen Sie mit Ihrer Familie eigentlich an Weihnachten? Gehen Sie in die Kirche, haben Sie ein bestimmtes Menü, das jedes Jahr gemeinsam gekocht wird? Oder hängen Sie vielleicht Gewürzgurken an den Weihnachtsbaum?

Die meisten Deutschen haben laut Umfragen noch nie von dem Brauch gehört, eine gläserne Essiggurke an den Christbaum zu hängen – dabei halten viele Amerikaner das für einen urdeutschen Brauch. In einem Beitrag für ICONIST, dem Lifestyle-Magazin der WELT AM SONNTAG, erklärt die Journalistin Dietgard Stein, dass in den USA die Gewürzgurke häufig als letztes Schmuckstück in den Zweigen versteckt wird. Wer die Gurke als erstes findet, bekomme ein kleines Geschenk.

Doch woher kommt der etwas seltsame Brauch, der angeblich so deutsch sein soll? Stein bietet fünf verschiedene Erklärungen an:

  1. Laut einer Legende soll ein bayerischer Immigrant 1864 während des Amerikanischen Bürgerkriegs gefangen genommen und an Weihnachten in einem Gefangenenlager in Georgia fast gestorben sein. Am Ende seiner Kräfte soll er den Wachmann um eine Gewürzgurke als letzte Mahlzeit gebeten haben. Weil der Immigrant doch überlebte, soll er als Dank jedes Jahr an Weihnachten eine Gurke in seinen Christbaum gehängt haben.
  2. Die Tradition könne auch daher kommen, dass die Menschen im Spreewald, ein traditionelles Anbaugebiet von Gurken, früher so arm gewesen seien, dass sie sich keinen anderen Schmuck für ihre Weihnachtsbäume leisten konnten. Emigranten in die USA hätten den Brauch dann in die neue Heimat mitgenommen.
  3. Eine ähnliche Theorie besage, dass viele Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts nicht genug Geld hatten, um jedem ihrer Kinder ein Weihnachtsgeschenk zu kaufen. Deshalb bekäme nur das Kind ein Geschenk, das die versteckte Gurke im Baum findet. Essiggurken seien damals ein typisches Wintergemüse gewesen und sehr beliebt, da sie eingelegt lange haltbar waren.
  4. Laut einem mittelalterlichen Volksmärchen übernachteten drei Jungen einst in einer Herberge, doch ihr Gastgeber bestahl sie und stopfte sie in ein Gurkenfass. Zum Glück besuchte St. Nikolaus in derselben Nacht die Herberge, und erweckte die toten Jungen wieder zum Leben. Die Essiggurke im Weihnachtsbaum soll der guten Tat des heiligen Nikolaus gedenken.
  5. Die wahrscheinlichste – und am wenigsten romantische – Theorie erklärt die Tradition der Gurke im Baum als geschicktes Marketing des amerikanischen Händlers Frank Winfield Woolworth. Um 1840 sollen Glasbläser aus Thüringen Ornamente in Form von Nüssen und Früchten hergestellt haben – darunter auch Baumschmuck in Gurkenform. Woolworth hätten die Gurken bei einem Besuch in Deutschland so gut gefallen, dass er sie mit in die USA nahm und in seinen Kaufhäusern anbot. Damit die Schmuckstücke sich besser verkauften, habe er sich die Geschichte von der typisch deutschen Tradition der Gurke im Weihnachtsbaum ausgedacht.

„Bis heute halten viele Amerikaner es für einen urdeutschen Brauch, sich eine gläserne Gewürzgurke in den Weihnachtsbaum zu hängen – schließlich, so heißt es, lieben die Deutschen Tradition, Weihnachten und saure Gurken. Und hier in Deutschland? Sagen 91 Prozent der Befragten, dass sie den Brauch um die Gurke überhaupt nicht kennen.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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