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Russische Trollfabriken? Ein früherer Insider berichtet
Russische Trollfabriken? Ein früherer Insider berichtet
( Link zum Originalbild | Urheber: Pete Linforth | Pixabay | CC0 1.0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard

Guten Morgen,

bei seiner gestrigen Pressekonferenz zum Jahresabschluss hatte Russlands Präsident Putin erklärt, er wolle das Verhältnis seines Landes zu den USA normalisieren. Doch danach sieht es – aus diversen Gründen – derzeit nicht aus: Erst Anfang dieser Woche hatte der US-Kongress zwei Berichte veröffentlicht, die für den Geheimdienstausschuss erstellt wurden und zeigen: Vor allem potenzielle Wähler der Demokraten wurden im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 2016 gezielt über soziale Medien mit Falschmeldungen überschwemmt. Die Berichte besagen auch, dass dieser Prozess der gezielten Meinungsmache andauere – unter anderem, um den Sonderermittler Robert Mueller zu diskreditieren.

Wenig später wurden neue Strafmaßnahmen gegen mehrere Mitglieder des russischen Geheimdienstes verhängt. Als Grund hierfür wurde auch angeführt, es gebe weiterhin Versuche russischer Trollfabriken, die öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten zu manipulieren.

Plötzlich ist das Thema, das seit der Wahl im November 2016 die Amtsführung Donald Trumps verfolgt, wieder im Rampenlicht. „Verhalfen russische Trolle Trump zum Wahlsieg?“, fragt dazu DER STANDARD. Doch was steckt eigentlich hinter der vermeintlichen russischen „Troll-Armee“?

Wir empfehlen dazu heute einen Beitrag auf DEKODER.ORG, der Online-Plattform, die unter dem Motto „Russland entschlüsseln“ russische Stimmen aus unabhängigen Medien für deutschsprachige Leser zugänglich macht. In diesem Fall handelt es sich um ein Interview der über Russland hinaus bekannten NOVAYA GAZETA mit Andrej Michailow, einem ehemaligen Mitarbeiter des Putin-Intimus Jewgeni Prigoshin. Prigoshin soll Besitzer der Medienholding Föderale Nachrichtenagentur (FAN) sein hinter der Troll-Fabrik in St. Petersburg stecken.

Andrej Michailow berichtet in dem Gespräch – bisweilen im Plauderton – über seine Arbeit im Bereich der Meinungsmanipulation und davon, wie mit Hackerangriffen die Webseiten anderer Medien in Russland lahmgelegt wurden. Am brisantesten ist sicherlich die Aussage, es habe für die Entwicklung flächendeckender Troll-Aktionen keinen Auftrag aus dem Kreml gegeben, „alles ging direkt von Prigoshin aus“.

Natürlich ist nicht auszuschließen, dass Michailow seinem früheren Auftraggeber – von dem er sich nach Geldstreitigkeiten getrennt hatte – durch eine derartig offene Plauderei mit der NOVAYA GAZETA eine Retourkutsche mitgeben möchte. Dennoch sind seine Antworten eine interessante Insiderperspektive auf die noch immer relevante Frage, ob und wie aus Russland Einfluss auf die öffentliche Meinung in anderen Ländern genommen wird.

„Übrigens haben wir es nie Trollfabrik genannt, das ist ein Label, das uns die Journalisten übergestülpt haben und das sich beharrlich hält.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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