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Wir kennen die langfristigen Folgen von Gen-Experimenten nicht – das Risiko ist zu groß
Wir kennen die langfristigen Folgen von Gen-Experimenten nicht - das Risiko ist zu groß

Das Argument in Kürze:

Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui hat mit seinem medizinischen Experiment eine Entscheidung getroffen, die die ganze Menschheit betrifft, schreibt die britische Journalistin Cassie Werber auf QUARTZ. Keiner wisse, was die langfristigen Folgen seines Experiments sein werden. So habe der Chinese alle einem unnötigen Risiko ausgesetzt.

Die Technik sollte nicht an gesunden Embryos benutzt werden

Um Babys zu schaffen, die immun gegen Aids sind, hat der chinesische Wissenschaftler Jiankui als erster die menschliche DNA verändert – ohne zu wissen, was das langfristig für Folgen haben würde. Sein Handeln ist deswegen moralisch fragwürdig, kritisiert QUARTZ-Journalistin Werber. Jiankui nutzte das Gen-Werkzeug CRISPR, das andere Wissenschaftler 2015 entwickelten. Die hatten eigentlich entschieden, dass CRISPR nicht in gesunden Embryos benutzt werden soll, bis mehr über die Konsequenzen der Technik bekannt ist.

Werber führt als Argument die Chaos-Theorie an: Der Flügelschlag eines Insektes kann durch Übertragungseffekte auf der anderen Seite des Planeten einen Hurricane verursachen. Menschen, so die Botschaft, sollten also nicht mit der Natur spielen.

Einmal Gott spielen

Jiankui hat mit seinem Experiment niemandem eine freie Wahl gelassen, kritisiert Werber. Nicht den Kindern, die mit veränderten Genen auf die Welt kommen. Nicht den Generationen danach, die die veränderten Gene in sich tragen werden. Und ob die Eltern der Kinder ausreichend informiert waren, sei auch fraglich. Mit seinem Experiment habe der Wissenschaftler der Gesellschaft die Entscheidung aus der Hand genommen. Die veränderten Gene befinden sich jetzt für immer im Genpool der Menschheit. Es gibt kein Zurück.

Und dass, obwohl der Schritt wissenschaftlich überhaupt nicht nötig gewesen wäre. Denn die moderne Medizin kennt andere Möglichkeiten, um zu verhindern, dass HIV von Eltern auf ihre Kinder übertragen wird. Jiankui hat die Regeln seiner Disziplin missachtet. Möglicherweise nur, um selbst in die Geschichte einzugehen.

„Im Laufe der Zeit werden die Entscheidungen, die in Jiankuis Labor getroffen wurden, Einfluss auf uns alle haben. Und niemand, nicht einmal der Wissenschaftler selbst, weiß, auf welche Art und Weise.“

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Alisa Sonntag

 

Weitere Lesetipps von The Buzzard:

  • Jiankui selbst hat sich zur Kritik an seinem Experiment geäußert. So rechtfertigt er sich auf YouTube.

 

 

Wer steckt dahinter?

Cassie Werber
Kommt aus:London, GB
Arbeitet für/als:Journalistin für QUARTZ vor allem für Themen wie Freundschaft, Liebe, Tod, aber auch das Internet.
Was Sie noch wissen sollten:Vorher hat Werber über erneuerbare Energien geschrieben, auch beim Wall Street Journal. Sie ist an der Organisation des Hacks Hackers, einem monatlichen Netzwerkaustausch zwischen Journalisten und Technologie-Experten, beteiligt. Früher hat sie ein professionelles Theater geleitet. Werber schreibt auch Fiktion und ist passionierte Schwimmerin.
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