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Vier Gründe, warum die Panik vor Genmanipulation am Menschen übertrieben ist
Vier Gründe, warum die Panik vor Genmanipulation am Menschen übertrieben ist

Das Argument in Kürze:

Sich aus Angst, religiöser Ideologie oder Aberglaube gegen die Anwendung von Genmanipulation bei Embryonen zu stemmen, kostet Menschenleben, glaubt die Reproduktionsbiologin Carol Lynn Curchoe. In ihrem Beitrag auf MEDIUM.COM versucht sie, mit den gängigsten Argumenten gegen die Veränderung menschlicher Gene aufzuräumen.

Grenzenloses Potenzial, um Menschen zu helfen

Curchoe ist vom Nutzen der Genschere CRISPR/Cas9 überzeugt. Die Technologie ermögliche nicht nur die Entwicklung umwelt- und tierfreundlicher Alternativen zu Milch, Fleisch oder verschiedenen Chemikalien, sondern habe auch das Potenzial, menschliches Leben besser zu machen. Die Bedenken gegenüber der Technologie hält Curchoe für Panikmache. Schritt für Schritt knöpft sie sich die zehn populärsten Argumente der Kritiker vor und versucht diese zu entkräften. Eine Auswahl:

  1. Es sei korrekt, dass genetische Veränderungen bei Embryonen immer mit Risiken verbunden seien. Das gelte aber für viele Praktiken in der Schwangerschaft. Wer die Schwangerschaft nach den eigenen Vorstellungen gestalten wolle, müsse so oder so mit Risiken leben. Wollte man Gefahren minimieren, so Curchoe, müssten etwa auch unbeaufsichtigte Geburten zu Hause verboten sein.
  2. Die Vorstellung, durch Genmanipulation lasse sich ohne weiteres der perfekte Mensch erschaffen, hält Curchoe für einen Irrglauben. Kein Mensch werde durch seine Gene allein bestimmt, sondern vor allem durch seine Umwelt. Nicht manipulierte Gene machten beispielsweise einen Olympiasieger, sondern weiterhin vor allem hartes Training, Fleiß und eine gesunde Ernährung.
  3. Dass Eltern zu Kindern, deren Gene manipuliert werden, eine weniger starke emotionale Bindung aufbauen würden, ist für Curchoe ebenso wenig ein Argument wie im Kontext von künstlicher Befruchtung oder Samenspenden. Viel mehr brächten auch natürliche Schwangerschaften ungewollte und ungeliebte Kinder hervor. Dass genetisch veränderte Babys als weniger menschlich betrachtet werden könnten, beschreibt sie als ein Problem gesellschaftlicher Diskriminierung, dem man begegnen müsse. Biologisch sei eine solche Hierarchisierung nicht haltbar.
  4. Die biologische Vielfalt sieht Curchoe nur dann in Gefahr, wenn man davon ausgehe, dass alle Eltern die gleichen Vorstellungen und Wünsche für ihre Kinder hätten. Das sei keineswegs zu erwarten. Außerdem gäbe es laut der Biologin auch weiterhin genetische Mutationen, die aus einer vergleichbaren genetischen Basis unterschiedliche Menschen entstehen lassen würden.

Curchoes Gegenargumente sind zweifelsohne unterschiedlich überzeugend. Stellenweise neigt sie zu klassischem Whataboutism”, lenkt also durch Hinweise auf andere Missstände vom Kern der Kritik ab. Trotzdem lohnt die Lektüre ihres Textes wegen der systematischen und übersichtlichen Zusammenstellung der gängigsten Argumente beider Seiten auch für diejenigen, die menschliche Genmanipulationen kritisch sehen.

„Es wird Menschenleben kosten, wenn wir wegen Angst, religiöser Ideologie oder Aberglauben die Entwicklung und Anwendung dieser lebensrettenden Technologie verzögern.“

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Jannis Carmesin

 

Weitere Lesetipps von The Buzzard:

Wer steckt dahinter?

Carol Lynn Curchoe
Kommt aus:Manchester (Connecticut, USA)
Politische Position:Curchoe macht keine dezidierten Äußerungen zu ihrer politischen Einstellung. Sie arbeitete aber als wissenschaftliche Beraterin für den republikanischen Senator Gary R. Herbert.
Arbeitet für/als:Sie is promovierte Reproduktionsbiologin, Wissenschaftsautorin und Gründerin eines Unternehmens für Biotechnologie.
Was Sie noch wissen sollten:Curchoe brach die Schule vorzzeitig ab und kam erst über Umwege in die Wissenschaft.
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