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Friedrich Merz wäre eine politische Katastrophe gewesen
Friedrich Merz wäre eine politische Katastrophe gewesen
( Link zum Originalbild | Urheber: Kai Mörk | Wikimedia Commons | CC BY 3.0 )

Das Argument in Kürze:

Jens Berger hat Angst. Er meint: Die Wahl zum CDU-Parteivorsitzenden am 7. Dezember ist wegweisend für Deutschlands politische Zukunft. Sollte Merz das Rennen machen, sei das eine Katastrophe, schreibt der Chefredakteur der NACHDENKSEITEN. Merz sei der „wohl größte anzunehmende politische Unfall, der Deutschland passieren könnte“. Denn aus Bergers Sicht ist Merz ein neoliberaler Wirtschaftslobbyist, dem die Interessen großer Konzerne wichtiger sind als das Allgemeinwohl. 

Merz vertritt die größten Konzerne der Welt 

Die Liste ist beeindruckend: AXA Konzern AG, die DBV-Winterthur Holding AG, die Deutschen Börse AG, Ernst & Young AG, der ROCKWOOL Beteiligungs GmbH, der WEPA Industrieholding SE, der Commerzbank AG, der HSBC Trinkaus und Blackrock – bei all diesen Konzernen saß Friedrich Merz bereits in Vorstandsgremien, in vielen von ihnen ist Merz noch immer tätig. Für Berger ist deshalb klar: Merz kann man nicht trauen. Er werde nicht im Interesse der Wähler handeln, sondern im Interesse von Milliardenkonzernen und internationalen Banken.

Dass Merz Vorsitzender des Aufsichtsrates bei BlackRock Deutschland ist und sich gleichzeitig um die Stelle als CDU-Vorsitzender bewirbt, findet Berger „geradezu grotesk“. BlackRock ist der größte Vermögensverwalter der Welt und investiert in Firmen wie Apple, Google, Microsoft, Exxon Mobil, Chevron und Nestlé. Nicht gerade Konzerne, die im Interesse des Allgemeinwohls handeln, bemerkt Berger sarkastisch. Er schreibt: „Merz muss nicht von wirtschaftsliberalen Lobbyisten überzeugt werden, er ist selbst einer dieser Lobbyisten.“ Was erwartet die Wähler also mit einer CDU unter Friedrich Merz? Für Berger besteht kein Zweifel: Privatisierungen, Deregulierungen und Kürzungen im Bereich der Sozialpolitik. Neoliberalismus in Reinform.

Für Berger ist Merz das ideale Feindbild.

Berger nimmt sich viel Zeit für sein Argument. Er nennt die Kanzleien, in denen Merz tätig war, schreibt über die Unternehmen, bei denen Merz verdient und die Boni, die er sich neben seiner Tätigkeit als Politiker hat auszahlen lassen.

Aber Berger belässt es nicht bei den Fakten, er nutzt Sprache polemisch, überzieht und ironisiert. Die Verlockung war vermutlich einfach zu groß. Schließlich ist „Neoliberalismus“ einer der großen Feinde der NACHDENKSEITEN. Friedrich Merz ist für Leser der Nachdenkseiten das geradezu ideale Feindbild. Aber das schreibt Berger nicht.

Was er schreibt, ist, dass er Angst habe. Einer wie Merz, kandidiere nicht einfach so. Man müsse davon ausgehen, dass sich Merz die Unterstützung wichtiger Kreise in der Union bereits gesichert habe, lange bevor er sich entschieden hat zu kandidieren. Merz könnte also gewinnen und den Kurs deutscher Politik radikal verändern.

„Die Vorstellung, dass der oberste Deutschland-Repräsentant und -Lobbyist dieses Unternehmens [BlackRock], das sich so sehr wie wohl kaum ein anderes Unternehmen gegen die Interessen der Allgemeinheit und für die Interessen der Großfinanz einsetzt, künftig Vorsitzender der CDU und dann wohl auch Kanzlerkandidat werden soll, ist geradezu grotesk. Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Dario Nassal

Tiefer eintauchen:

  • Was sagt Friedrich Merz selbst? Im „Interview der Woche“ hat Merz mit dem DEUTSCHLANDFUNK über seine Position gegenüber Migranten und seine Haltung gegenüber der AfD gesprochen. Er selbst beteuert: Mit ihm werde die AfD nicht nach rechts rücken. Damit widerspricht er Beobachtern wie Mark Schieritz, dessen Beitrag wir ebenfalls in der Debatte zeigen.
  • Ähnlich kritisch wie Jens Berger sieht der Politologe Albrecht von Lucke den Kandidaten Merz. In den BLÄTTERN FÜR DEUTSCHE UND INTERNATIONALE POLITIK schreibt er: Der Kandidat Merz könne die CDU fundamental verändern, er werde die Partei „umcodieren“ und Deutschland noch stäker polarisieren, meint Lucke.

Wer steckt dahinter?

Jens Berger
Kommt aus:Wolfshagen, Deutschland
Politische Position:progressiv, links
Arbeitet für/als:Jens Berger arbeitet als freier Journalist, Sachbuchautor und Wirtschaftsexperte. Er ist politischer Blogger und Redakteur sowie Mitherausgeber der „NachDenkSeiten“. Darüber hinaus war er Herausgeber des Blogs „Der Spiegelfechter“.
Was Sie noch wissen sollten:Der Blog „NachDenkSeiten“ versteht sich als Gegenöffentlichkeit, die aufklären und politische Diskussionen anregen möchte. Die konkrete Zielsetzung ist es nach eigenen Aussagen, etwas gegen die Einseitigkeit und Flachheit der öffentlichen Debatte zu tun. Ausgewählte Beiträge der „NachDenkSeiten“ werden im „Kritischen Jahrbuch“ veröffentlicht.
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