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Die „Gelbwesten“-Proteste richten sich nicht allein gegen die französische Politik
Die "Gelbwesten"-Proteste richten sich nicht allein gegen die französische Politik
( Link zum Originalbild | Urheber: Checoury | Unsplash | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

in Frankreich haben die „Gelbwesten“ nach zweiwöchigen Protesten einen Teilerfolg errungen: Regierungschef Edouard Philippe kündigte an, die geplante Ökosteuer um sechs Monate zu verschieben, auch die Strom- und Gaspreise bleiben vorerst stabil. Das Thema beherrscht seit Tagen die europäische Berichterstattung, so sieht zum Beispiel der Guardian gleich die ganze EU durch die „Gelbwesten“ in Gefahr. TAZ und Tagesschau sind sich einig, dass der Kompromiss zwar richtig ist, aber kaum mehr hilft, weil sich die Bewegung längst verselbstständigt habe. Und das Handelsblatt sieht das Land auch nach der vorläufigen Einigung tief gespalten.

Andreas Wysling widmet sich in der NZZ der Frage, was die „Gelbwesten“ eigentlich antreibt. In seiner Analyse stellt er die These auf, dass sich die Bewegung nicht nur gegen die Politik richtet, sondern genauso gegen einen als elitär wahrgenommenen Teil der Gesellschaft – in Wyslings Worten: gegen die „Glücklichen und Wohlhabenden“. Die Bewegung sei „von unten“ gewachsen, in Landesteilen, die vom Staat bisher vernachlässigt worden seien. Es greife daher zu kurz, sie als einen Aufruhr durch links- oder rechtsextremer Gruppierungen abzutun. Folgt man Wyslings Argumentation, geht es den „Gelbwesten“ um eine grundsätzliche Umstrukturierung der französischen Gesellschaft, vielleicht sogar Revolution.

„Macron und die Seinen konnten zwar mit gutem Marketing genügend Wählerstimmen gewinnen, doch fehlt ihnen bis heute eine ausreichende Verankerung im Land und in der Gesellschaft. Und so steht das Staatsoberhaupt jetzt ziemlich einsam als «Präsident der Reichen» da. Für die Protestierenden ist er zur Hassfigur geworden, man droht mit dem Sturm aufs Elysée. Der Sturm auf Paris, auf diese Insel der Wohlhabenden und Glücklichen, hat schon begonnen.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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