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Die Zahl der illegalen Grenzüberschreitungen in die USA war schon lange nicht mehr so tief
Die Zahl der illegalen Grenzüberschreitungen in die USA war schon lange nicht mehr so tief
( Link zum Originalbild | Urheber: Public Domain Pictures | Pixabay | CC0 Public Domain )

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Trumps Mauer hat die Aufmerksamkeit der Medien wieder erfasst. In einem Interview sagte der US-Präsident, dass er definitiv bereit wäre, einen Verwaltungsstillstand im Kongress zu erzwingen, sollten die Demokraten nicht dem Plan zustimmen, fünf Milliarden US-Dollar für eine Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko auszugeben. Letzte Woche war es in Tijuana zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen dem amerikanischen Grenzschutz und Migranten aus Zentralamerika, die versucht hatten, auf illegale Weise die Grenze zu passieren, gekommen. Dabei setzten die Beamten Tränengas gegen die Gruppe ein, der auch kleine Kinder angehörten. In einem Tweet verlangte Trump, dass Mexiko die Migranten wieder in ihre Heimatländer schickt und dass der amerikanische Kongress die schon in seinem Wahlkampf versprochene Grenzmauer finanziert.

Die Menge an Berichterstattung zum Thema illegale Immigration sowie die Rhetorik, die das Thema umgibt, erweckt oft den Anschein, dass die Zahl der illegalen Grenzüberschreitungen auf einem historischen Hoch ist. Genau das Gegenteil ist jedoch der Fall. In einem Beitrag für FACTCHECK.ORG schreibt die Journalistin Lori Robertson, dass Verhaftungen an der US-mexikanischen Grenze in den letzten Jahren langfristig gesehen immer weniger geworden seien. Es gäbe zwar keine genauen Statistiken dazu, wie viele Menschen illegal die Grenze passieren, allerdings benutze die amerikanische Zoll- und Grenzschutzbehörde die Zahlen der Verhaftungen wegen illegalem Übertreten der Grenze, um Schätzungen darüber abzugeben. Im Fiskaljahr 2000 seien demnach 1.643.679 Menschen an der Grenze verhaftet worden. 2016 seien es nur noch 408,870 gewesen, 2017 schließlich 303,916. Zwischen 2000 und 2017 sei das ein Rücklauf von 82 Prozent. Zudem seien die Zahlen 2017 so niedrig gewesen wie zuletzt 1971.

In Anbetracht dieses Trends stellt sich die Frage, ob eine strengere Grenzsicherung oder gar eine Mauer wirklich nötig ist. Auch die physische Beschaffenheit der US-mexikanischen Grenze scheint den Bau einer Mauer zu erschweren. In einem Beitrag für DESIGN DISPLAY schreibt der Kulturwissenschaftler Alexander Gutzmer, dass die Grenze sehr durchlässig ist: „Durch feste Zäune oder Metallwände ist nur etwa ein Drittel der fast 3200 Kilometer langen Grenze gesichert. Viel mehr geht auch nicht, folgt man der Einschätzung von Experten. Es sei technisch unmöglich, deutlich mehr Grenzanlagen zu bauen, sagt der amerikanische Architekt René Peralta. Die Flüsse und tiefen Schluchten hielten Baumaschinen und Material schlicht fern.“ Die Grenze sei nicht nur überirdisch durchlässig – sondern auch unterirdisch. Schmuggler würden vor allem Tunnel benutzen, um Drogen von Mexiko in die USA zu bringen. Dagegen könne auch eine große Betonmauer nichts ausrichten.

Hier entlang zum Beitrag von Lori Robertson.

Hier entlang zum Beitrag von Alexander Gutzmer.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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