Zurück zur Übersicht
„SOKO Chemnitz“ ist sehr wohl Kunst – und die Aktion war dringend nötig
„SOKO Chemnitz“ ist sehr wohl Kunst – und die Aktion war dringend nötig
( Link zum Originalbild | Urheber: Zairon | Wikimedia Commons | CC0 Creative Commons )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

gestern hat das Zentrum für Politische Schönheit (ZPS) erneut eine Aktion gestartet, die für viel Aufmerksamkeit und Kritik sorgte. Auf der Website soko-chemnitz.de rief das ZPS dazu auf, Menschen, die bei rechten Demonstrationen in Chemnitz dabei waren, zu denunzieren. Nutzer und Nutzerinnen konnten Fotos von Menschen, die das ZPS als „Nazis“ einordnete, sehen und anschließend etwa deren Namen öffentlich machen oder deren Arbeitgeber über ihre Gesinnung informieren.

Vor allem aus datenschutzrechtlichen Gründen musste diese Aktion des Zentrums für Politische Schönheit viel Kritik einstecken. „Weshalb die „SOKO Chemnitz“ eine extrem doofe Idee ist“ titelte etwa VICE und veröffentlicht den Text eines Journalisten, der am Rande an der Organisation der Aktion beteiligt war. Er schreibt, die Aktion erinnere an die AfD oder an den Springer-Konzern, es gehe um maximale Vorverurteilung. „Jurist: Kunstfreiheit deckt vieles ab, aber nicht alles“ schreibt auch der MDR. Fahndungsaufrufe seien Sache des Staates.

Die datenschutzrechtlichen Bedenken teilt auch der Journalist Markus Reuter auf NETZPOLITIK.ORG. Insgesamt aber stellt er sich auf die Seite der Künstler und Philosophen von Zentrum für Politische Schönheit. Reuter kritisiert die Kritik der Rechten an dem Projekt als scheinheilig. Das Projekt sei sehr wohl Kunst, auch wenn es möglicherweise justiziabel ist. Und zwar, weil es gesellschaftliche Konfliktlinien und Defizite deutlich mache. Und das sei notwendig – alleine, weil die sächsischen Behörden auf das Projekt des ZPS viel schneller reagiert hätten als auf die rechten Demonstrationen im Spätsommer in Chemnitz.

„Wenn der Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt die Kunstaktion „Terror“ nennt und Neonazis „Gestapo“ rufen, während sie gleichzeitig die umstrittene Öffentlichkeitsfahndung zum G20-Gipfel gutheißen und zur Denunziation von Lehrern auf Portalen der AfD aufrufen, dann ist das an Doppelmoral kaum zu überbieten.“

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Alisa Sonntag
Kommt aus:Ursprünglich aus dem Raum Chemnitz, aktuell in Leipzig.
Politische Position:Arbeitet bei THE BUZZARD, weil sie möglichst viele Menschen ermutigen möchte, die eigene Filterblase ab und an mal zu verlassen.
Arbeitet für/als:Studiert in Halle an der Saale "Multimedia und Autorschaft" und "International Area Studies" im Master. Arbeitet unter anderem für The Buzzard, die Mitteldeutsche Zeitung und die Freie Presse Chemnitz als freie Journalistin.
Was Sie noch wissen sollten:Hat ihr Bachelorstudium in Politik- und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen.
Lies unsere besten Empfehlungen bequem per E-Mail. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.