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Wenn die Rente nicht zum Leben reicht, leidet das Sozialleben – und der Stolz
Wenn die Rente nicht zum Leben reicht, leidet das Sozialleben – und der Stolz

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

das Thema Altersarmut ist überall präsent. Rund 2,38 Millionen Menschen sind in Deutschland davon gefährdet, wie die ARD berichtet. Bei Frauen ist das Risiko höher als bei Männern: 16,1 Prozent aller Frauen über 65 sind gefährdet, bei den Männern 12,3 Prozent. Die Zahl der Betroffenen steigt seit Jahren an. Fast jeder zweite Deutsche bezieht heute eine gesetzliche Altersrente von unter 800 Euro im Monat, das geht aus eine Anfrage der Linken an die Bundesregierung hervor.

Was machen, wenn man das ganze Leben gearbeitet hat und das Geld im Alter trotzdem nicht reicht? In einer eindrucksvollen Reportage beschreibt Manuel Stark auf ZEIT ONLINE, wie seine Oma mit der fehlenden Rente umgeht: Sie geht putzen. Für ihn sei sie der Inbegriff von Eleganz, beginnt Stark seinen Text. Dass sie ihre Rente aufbessern müsse, wüssten nur ihre engsten Freunde. In der Reportage wird deutlich, was Altersarmut im echten Leben bedeutet. Scham nämlich und die Tatsache, dass ältere Menschen noch nach Ende ihres Arbeitslebens arbeiten müssen, obwohl die Kraft eigentlich nicht mehr da ist.

Der Text zeigt auch auf, wie Altersarmut überhaupt zustande kommt. Die Oma des Autors bekommt immerhin eine Rente von 1.249 Euro, liegt also eigentlich im Durchschnitt: Die normale gesetzliche Rente liegt bei durchschnittlich 1200 Euro im Monat. Zieht man alle notwendigen Ausgaben ab, blieben trotzdem nur noch gut 100 Euro für Freizeit, Essen und Körperpflege übrig, rechnet sie ihrem Enkel vor. Wer wissen will, wie das sein kann und was Altersarmut mit dem Stolz eines Menschen machen kann, dem empfehlen wir diese Reportage: Gerade weil diese Menschen das Land nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut haben, stimmt die Geschichte nachdenklich.

„‘Freunde habe ich nur noch wenige‘, sagt Oma und erzählt, dass sie jedes Mal ablehnte, sobald jemand sie anrief und sie einlud mitzukommen, ins Theater, in Konzerte oder Restaurants. Geschäftstermine, log sie. Sobald Oma den Hörer auflegte, weinte sie. In Wahrheit fehlte Geld.“

 

Hier entlang zum Originalartikel.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Nadja Tausche
Kommt aus:München
Politische Position:Versucht, alle politischen Richtungen zumindest neutral zu betrachten
Arbeitet für/als:Arbeitet als freie Journalistin unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, den Donaukurier und The Buzzard
Was Sie noch wissen sollten:Nadja Tausche hat im bayerischen Eichstätt und in Barcelona Journalistik studiert.
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