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Deutschlands Entwicklungspolitik ist ineffizient und egoistisch
Deutschlands Entwicklungspolitik ist ineffizient und egoistisch
( Link zum Originalbild | Urheber: Element5 Digital | Unsplash | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Hilft deutsche Entwicklungspolitik in Afrika wirklich? In erster Linie hilft sie nicht Afrika, sondern Deutschland, schreiben Tobias Volpert und Marcel Riepe in einem Beitrag für CICERO ONLINE. Sie beziehen sich auf Studienergebnisse des Center for Global Development (CGD), die zeigen: Deutsche Entwicklungspolitik ist zu kleinteilig und nicht zentral genug organisiert, um wirksam zu sein.

Deutschland achtet bei seiner Entwicklungspolitik vor allem auf die eigenen Vorteile

Dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unter der Leitung von Gerd Müller stehen jährlich 8,5 Milliarden Euro zur Verfügung, die in Entwicklungspolitik investiert werden sollen. Doch das CGD findet, dass dieses Geld nicht sehr effizient eingesetzt wird. Verglichen mit den anderen OECD-Ländern, die das CGD in Sachen Entwicklungspolitik bewertet, belegt Deutschland den vorletzten Platz, wenn es um Effizienz geht.

Die Gründe dafür: Erstens würde in Deutschland entwicklungspolitische Arbeit von mehreren Behörden parallel verwaltet. Eine zentrale Verwaltung fände das CGD vorteilhafter. 2011 wurde bereits eine Neustrukturierung angestoßen, diese sei jedoch noch nicht abgeschlossen. Zweitens seien die Entwicklungsprogramme Deutschlands zu speziell. Kleine Projekte hätten keine nachhaltige Wirkung und keinen Wachstumseffekt – die Empfängerländer blieben weiterhin von ausländischen Hilfszahlungen abhängig. Stattdessen wünscht sich das CGD Projekte, die einen sogenannten „Big Push“-Effekt hervorbringen, damit die Empfängerländer sich danach eigenständig weiterentwickeln können.

Volpert und Riepe verweisen auch auf Kritik des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Das Institut habe herausgefunden, dass deutsche Hilfen eher an Länder gehen, die in der UN-Generalversammlung ähnliche Meinungen wie Deutschland vertreten oder die enge Handelspartner von Deutschland sind. Auch das Ibero American Institute for Economic Research der Universität Göttingen werfe Deutschland Egoismus in Sachen Entwicklungspolitik vor. Laut einer Studie des Instituts würden für jeden US-Dollar, den Deutschland an Entwicklungshilfe ausgibt, die deutschen Exporte um 0,83 US-Dollar steigen. Die deutsche Entwicklungshilfe helfe also vor allem der deutschen Wirtschaft.

Am Ende des Beitrags distanzieren sich die Autoren Volpert und Riepe von der Kritik, die sie aufgezeigt haben. Zum einen verweisen sie darauf, dass Deutschland in der Gesamtbewertung der Entwicklungspolitik der OECD-Länder immerhin Platz 8 besetzt. Zum anderen erzählen sie die Geschichte eines Lehrers aus einem nicht näher spezifizierten Land in Ostafrika, der sich freut, dass mit deutscher Hilfe eine Schule gebaut wurde, in der er jetzt seine Schüler bei jedem Wetter unterrichten könne. Volpert und Riepe betonen, dass kleine Investitionen vor Ort trotzdem einen großen Effekt für einzelne Personen haben können und verteidigen damit die deutsche Entwicklungspolitik auf einer emotionalen Ebene. Dennoch halten sie fest:

„Ganz offensichtlich werden Empfängerländer nicht allein anhand einer objektiven Beurteilung der Bedarfssituation vor Ort ausgewählt. Vielmehr spielen auch geostrategische Motive der deutschen Außenpolitik eine wichtige Rolle. Ein gewisser Egoismus der deutschen Entwicklungspolitik ist damit nicht von der Hand zu weisen.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Stephanie Berens

Weitere Lesetipps von The Buzzard:

  • Dieser Beitrag von Eva-Maria Schreiber für NEUES DEUTSCHLAND argumentiert, dass die Entwicklungspolitik unter Gerd Müller zu einer Fortsetzung der Innenpolitik mit anderen Mitteln verkommen ist.
  • Dieser Beitrag von Melanie Müller für EURACTIV bietet eine kritische Einordnung des„Marshall-Plans für Afrika“.

Wer steckt dahinter?

Tobias Volpert, Marcel Riepe
Kommt aus:Deutschland
Arbeitet für/als:Volpert ist Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Hamm-Lippstadt. Riepe ist studentischer Mitarbeiter im Bereich Volkswirtschaftslehre an der gleichen Hochschule.
Was Sie noch wissen sollten:Volperts Schwerpunkte sind unter anderem die Entwicklungsökonomie und internationale Wirtschaftsbeziehungen.
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