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Deutsche Entwicklungspolitik in Afrika ist essentiell
Deutsche Entwicklungspolitik in Afrika ist essentiell
( Link zum Originalbild | Urheber: AMISOM Public Information | flickr.com | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Entwicklungsminister Gerd Müller ist überzeugt: Deutschlands Entwicklungspolitik in Afrika ist wichtiger denn je. Dabei gehe es ihm nicht um noch mehr Hilfsprojekte für die afrikanischen Staaten, räumt der Entwicklungsminister im Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT ein. Deutschland sei zwar moralisch zu Hilfe verpflichtet, wolle seine Partner aber nicht in einem hierarchischen Verhältnis zwischen reichem Geber- und armem Empfängerland fesseln. Vielmehr gehe es ihm um eine neue Form der Entwicklungspolitik, die Eigeninitiative und damit die Wirtschaft nachhaltig fördere. Müller hat sie in seinem sogenannten „Marshallplan mit Afrika“ festgeschrieben, den er als Weg zum Erfolg betrachtet.

Wirtschaftliche Zusammenarbeit statt Brunnenbau

Unweit von Nairobi steht die Zukunft der deutschen Entwicklungspolitik: eine Fabrik für Mangosaft, finanziert durch einen Kredit der deutschen Entwicklungsbank, gebaut von einem Unternehmen aus Regensburg. Zehntausenden kenianischen Familien, erzählt Gerd Müller im Interview, sichere allein diese Fabrik ein festes Einkommen.

Seine Lobeshymne macht deutlich, wieso er den deutschen Weg in der Entwicklungspolitik für den richtigen hält: Sie setze auf „echte Partnerschaften“ und hole die Privatwirtschaft mit ins Boot, etwa durch Beratungsprogramme und Investitionsbürgschaften. Für deutsche Unternehmer sei Afrika der „Wachstumskontinent der Zukunft“, während der Privatsektor – quasi im Gegenzug – neun von zehn Arbeitsplätzen für die Menschen vor Ort schaffe. Gleichzeitig arbeite er daran, dass afrikanische Unternehmen ihre Produkte einfacher nach Europa verkaufen könnten.

Müller versteht Entwicklungspolitik nicht als philanthropisches Projekt, sondern als eine Form der wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die Eigeninitiative fördert und von der Afrikas Wirtschaft genauso profitiert wie die deutsche.

Ein stark geführtes Interview

Gleichzeitig hält Müller auch die politische Komponente seiner Strategie für wichtig. Anders als früher kooperiere Deutschland nur noch mit Staaten, die Korruption bekämpften und Rechtstaatlichkeit und Demokratie förderten. So will der Minister vor Ort die Rahmenbedingungen für eine langfristige Entwicklung schaffen.

Dass im Interview deutlich wird, dass diese politische Komponente zumindest auf dem Papier nicht erst seit gestern Bestandteil der deutschen Entwicklungsstrategie ist, ist eine Leistung der Interviewer aus der ZEIT-Redaktion. Immer wieder weisen sie Müller darauf hin, wenn er widersprüchlich argumentiert, bekannte Maßnahmen als innovativen Weg verkauft oder auf Allgemeinplätze zurückgreift.

Das Interview ist am Ende auch ein Eingeständnis Müllers, dass die deutsche Entwicklungspolitik über viele Jahre die falschen Prioritäten gesetzt habe, ehe sie nun auf den vermeintlich richtigen Pfad eingebogen sei. Es ist aber auch ein Appell: an Finanzminister Olaf Scholz, mehr Geld für Entwicklung bereitzustellen, aber auch an die Europäische Union, sich stärker in Afrika zu engagieren. „Wir sind zur Hilfe verpflichtet, aus humanitären und geschichtlichen Gründen“, sagt Müller, „aber auch aus eigenem Interesse.“

 

„Wir werden Menschen, die in den ärmsten Ländern von Hunger bedroht sind, immer unterstützen. Aber wir sagen auch: Unsere Partner in Afrika müssen selbst mehr leisten. Eigeninitiative ist der Schlüssel für Entwicklung.“

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Jannis Carmesin

 

Tiefer eintauchen:

  • Wie Vertreter der Industrie, der Zivilgesellschaft und eine afrikanische Journalistin Müllers Strategie bewerten, hat das entwicklungspolitische Magazin WELT-SICHTEN zusammengetragen.
  • Stephan Klingebiel vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik nennt fünf Gründe, warum ein Rückzug aus der Entwicklungspolitik für Deutschland keine Option sein kann.

Wer steckt dahinter?

Gerd Müller
Kommt aus:Krumbach (Bayern)
Politische Position:Mitglied der konservativen Christlich-Sozialen Union (CSU)
Arbeitet für/als:Seit Dezember 2013 Deutschlands Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
Was Sie noch wissen sollten:Machte sein Abitur auf dem zweiten Bildungsweg und studierte dann Pädagogik, Psychologie, Politik- und Wirtschaftswissenschaften an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt
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