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Frauen sterben häufiger, wenn sie von männlichen Ärzten behandelt werden
Frauen sterben häufiger, wenn sie von männlichen Ärzten behandelt werden
( Link zum Originalbild | Urheber: Martin Brosy | Unsplash | CC0 Public Domain )

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Guten Morgen,

Diskussionen um die Gleichberechtigung von Männern und Frauen haben in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung erlebt. Dabei sind meist Themen wie sexuelle Gewalt, die #metoo-Bewegung, ungleiche Bezahlung und die unterschiedliche Vereinbarkeit von Karriere und Familie in den Fokus gerückt worden. Was jedoch nicht so häufig angesprochen wird, ist, dass Frauen auch medizinisch manchmal schlechter behandelt werden als Männer.

In ihrer Kolumne „Die Lösung für alles“ für das SÜDDEUTSCHE ZEITUNG MAGAZIN zitiert Michaela Haas eine Studie der University of Minnesota. Die zeige, dass Männer zwar öfter Herzinfarkte bekämen als Frauen, aber Frauen öfter an der Krankheit sterben würden. Schockierend daran sei, dass das Geschlecht des behandelnden Arztes dabei eine Rolle spiele: Werde eine Frau von einem männlichen Arzt behandelt, steige die Wahrscheinlichkeit, dass sie an dem Herzinfarkt sterbe. Dagegen sei die Überlebensrate zwei bis drei Mal höher, wenn Ärztinnen die Frauen behandelten. Warum ist das so?

  1. Harvard-Forscher hätten in einer Studie herausgefunden, dass Ärztinnen ihre Patienten gründlicher untersuchen, ihnen aufmerksamer zuhören, sich mehr an klinische Richtlinien halten und mehr Vorsorge betreiben würden als ihre männlichen Kollegen: „Sie kamen zu dem nahezu unglaublichen Schluss, jedes Jahr könnten bis zu 32.000 Leben gerettet werden, wenn die männlichen Ärzte so viel Sorgfalt walten ließen wie ihre Kolleginnen.“
  2. Das medizinische Wissen über den männlichen Körper und wie man ihn am besten behandelt sei deutlich fortgeschrittener als beim weiblichen Körper. Das komme daher, dass die Medizin bis heute ein von Männern dominiertes Feld sei. Deshalb würden weibliche Symptome für einen Herzinfarkt nicht sofort als solche erkannt werden.
  3. Frauen und ihre Symptome würden häufig nicht ernst genommen. Laut einer Studie der Yale University zögerten Frauen mit Herzinfarktsymptomen oft zum Arzt zu gehen, weil sie fürchteten, abgewimmelt zu werden: „Oft hatten sie das Gefühl, sie mussten eine männliche Begleitperson mitbringen, einen Lebensgefährten, einen Vater oder sogar ihren Sohn, der bezeugen konnte, dass sie sich ihre Symptome nicht einbildeten.“

Dass Frauen beim Arzt nicht ernst genommen werden, scheint sich übrigens nicht nur auf Herzkrankheiten zu beschränken. Laut einem Artikel der Harvard Medical School von Laura Kiesel sei das auch der Fall, wenn Frauen zum Beispiel an starken Regelschmerzen oder chronischen Schmerzen leiden.

Und wie kann man das Problem nun lösen? Haas schreibt, dass laut der Studie der University of Minnesota mehr Ärztinnen in den Notaufnahmen eingestellt werden sollten und Ärzte geschult werden sollten, weibliche Symptome besser zu erkennen.

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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