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Wie wissenschaftliche Studien einen Großteil der Weltbevölkerung ignorieren
Wie wissenschaftliche Studien einen Großteil der Weltbevölkerung ignorieren
( Link zum Originalbild | Urheber: Gerd Altmann | Pixabay | CC0 1.0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

fast täglich begegnen sie uns in der medialen Berichterstattung: Ergebnisse wissenschaftlicher Studien, die Zusammenhänge nachweisen oder widerlegen, Entwicklungen nachzeichnen oder mitunter sogar Missstände aufdecken. „Wissenschaftler haben herausgefunden…“ ist dabei beinahe ein eigenes Qualitätsmerkmal einer Meldung geworden, denn in Zeiten von Medienverdrossenheit und „Fake News“ erscheinen vermeldete Forschungserkenntnisse, als gesicherte Fakten, umso bedeutsamer.

Weshalb man als Rezipient (und auch als Journalist) solche Studienergebnisse jedoch mit Vorsicht genießen sollte, zeigt ein Beitrag auf THE CONVERSATION, den wir heute empfehlen. Darin verdeutlicht Daniel Hruschka, Professor für „Human Evolution and Social Change“ an der Arizona State University, am Beispiel der Verhaltensforschung, wie wenig repräsentativ Forschungsergebnisse oft sein können. Der Grund: Die untersuchten oder befragten Personen sind meist „Western, educated, industrialized, rich and democratic“ (hierfür hat sich das Akronym „WEIRD“ eingebürgert), stammen also aus wohlhabenden, westlichen Industrienationen.

Doch das menschliche Denken, Entscheiden und Verhalten ist natürlich nicht weltweit identisch. Im Gegenteil: Oft seien diese häufig befragten „WEIRD“-Gruppen sogar eher Ausreißer als die Norm – Untersuchungen, Verhaltensexperimente und Befragungen lieferten somit verzerrte Ergebnisse. Trotzdem hätten diese Erkenntnisse vielerorts Einfluss etwa auf Mitarbeiterführung, auf die Gestaltung von Bildungsprozessen oder die Ausrichtung politischer Kampagnen.

Verschiedene Lösungsansätze für dieses Problem werden diskutiert. Ziel müsse in jedem Fall eine Wissenschaft sein, die der Menschheit als Gesamtheit Rechnung trägt, und nicht nur den überrepräsentierten „WEIRD“-Gruppen, mahnt Hruschka. Bis dies erreicht ist, lohnt es sich aber, sich an seine Feststellung zu erinnern, wenn man das nächste Mal eine „Wissenschaftler haben herausgefunden…“-Meldung hört, liest oder selbst verfasst:

 „Der überwiegende Anteil unseres Wissens über menschliche Psychologie und Verhalten stammt aus Studien, die nur einen schmalen Ausschnitt der Menschheit abbilden – Studenten, Angehörige der Mittelklasse aus der Umgebung von Universitäten und hochgebildete Bürger von wohlhabenden, industrialisierten und demokratischen Staaten.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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