Zurück zu allen Tagesempfehlungen
Drei Gründe, warum Online-Umfragen problematisch sind
Drei Gründe, warum Online-Umfragen problematisch sind
( Link zum Originalbild | Urheber: PhotoMIX-Company | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

inzwischen sind sie allgegenwärtig: Online-Umfragen. Ob bei Spiegel Online, Bild, Stern, Süddeutscher Zeitung oder FAZ, zahlreiche Medienunternehmen halten ihre Leser dazu an, über aktuelle Streitfragen abzustimmen.

Glauben Sie, dass der Familiennachzug richtig ist? (Welt)

Was sagen Sie zur Rolex der SPD-Beamtin? (Stern)

Spahn, Kramp-Karrenbauer oder Merz: Wer soll Merkel beerben?  (Bild)

Meistens laufen die Abstimmungen über das Tool eines Unternehmens namens Opinary – das ist ein Berliner Start-Up, 2016 gegründet, bei dem inzwischen mehr als 60 deutsche Medienunternehmen Kunde sind. Das Tool sieht aus wie ein Tacho, und nach dem Abstimmen wird durch eine Nadel sichtbar, wie der allgemeine Meinungstrend aussieht. An sich keine große Sache, unterhaltsam allemal, und klar wollen Redaktionen mit diesen Umfragen ein Gefühl von Partizipation schaffen.

Nur ist die Sache nicht ganz so einfach, wie Laura Lucas in einer lesenswerten Analyse auf Übermedien erläutert.

  1. Die Umfragen sind in nicht repräsentativ. Das behauptet zwar auch keiner, trotzdem wird es zum Problem, wenn die Umfragen als tatsächliche Abbilder des Meinungsspektrums gelesen werden. Und das geschieht, wenn Medien wie Stern, SZ oder Spiegel Online sie genauso darstellen. Auch AfD-Politiker machen sich die Umfragen zueigen.
  2. Die Umfragen können relativ einfach manipuliert werden. In Lucas‘ Text führt das ein Datenspezialist vor: Bei einer Opinary-Umfrage fälscht er in 20 Minuten 2000 Stimmen und beeinflusst damit das Ergebnis der Umfrage maßgeblich.
  3. Auch Firmen nutzen Opinary, und die von ihnen gesponserten Umfragen unterscheiden sich zum Teil kaum von den redaktionellen. Leser nehmen unbewusst an Firmenumfragen teil und kriegen im Nachgang speziell auf sie zugeschnittene Anzeigen ausgespielt. Das ist alles andere als transparent.

„Dass Journalismus sich mit Werbung finanziert oder Redaktionen versuchen, Leser zu binden, ist natürlich nicht verwerflich. Problematisch kann es aber werden, wenn Unternehmen und Lobbyvereine im redaktionellen Umfeld versuchen, Einfluss auf die Meinungsbildung zu nehmen.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Der Text von Laura Lucas ist kostenlos zugänglich, man muss sich allerdings registrieren. Das Probeabo, das man dabei abschließt, ist mit wenigen Klicks wieder kündbar.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.