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In den USA gibt es noch immer Kinderarbeit
In den USA gibt es noch immer Kinderarbeit
( Link zum Originalbild | Urheber: Hermes Rivera | Unsplash | CC0 Public Domain )

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Kinderarbeit – damit verbindet man meistens Bilder aus Textilfabriken in Bangladesch, Minen in Burkina Faso oder Feldern in Lateinamerika. Dass Kinderarbeit auch in den USA stattfindet, scheint weniger bekannt zu sein. In einer Reportage für THE ATLANTIC schreibt Ariel Ramchandani über Kinderarbeit auf den Tabakplantagen in North Carolina. Dabei geht sie unter anderem auf das Leben der betroffenen Kinder ein und auf die lasche Gesetzeslage, die Kinderarbeit überhaupt möglich mache.

Ramchandani trifft bei ihrer Recherche auf Yesenia Cuello. 2005 wollten sie und ihre beiden Schwestern ihre alleinerziehende Mutter unterstützen, indem sie mit ihr während des schulfreien Sommers auf einer Tabakplantage arbeiteten. Cuello sei zu dem Zeitpunkt 12 Jahre alt gewesen, ihre Schwestern 10 und 11 Jahre. Das verdiente Geld hätten sie der Mutter gegeben, damit sie die Rechnungen zahlen konnte – nur einen kleinen Teil hätten sie behalten, um sich selbst Kleidung oder Schulsachen zu kaufen. Cuello schätze sich glücklich, bei der Arbeit ihre Mutter immer in der Nähe gehabt zu haben. Die meisten anderen Kinder und Jugendlichen seien alleine auf der Plantage gewesen.

Kinderarbeit sei in den meisten Branchen streng reguliert, schreibt Ramchandani – jedoch nicht in der Landwirtschaft. Kleine Farmen könnten Kinder jeden Alters beschäftigen, in größeren Betrieben dürften Kinder ab 12 Jahren arbeiten, wenn ihre Eltern damit einverstanden sind. Riskante Arbeit dürfe bereits ab 16 Jahren geleistet werden. Die Besitzer der Plantagen wüssten oft nicht, wer genau für sie arbeitet, da die Arbeiter meist von externen Firmen angeheuert würden. Zudem müssten sich Arbeiter bei Beginn ihrer Schicht nicht ausweisen und würden direkt in bar bezahlt – so bliebe Kinderarbeit weitestgehend unsichtbar.

Kinderarbeit beschränke sich nicht nur auf Tabakplantagen – je nach Saison arbeiteten Kinder auch bei der Ernte von zum Beispiel Gurken, Blaubeeren oder Süßkartoffeln mit. Die Child Labor Coalition der National Consumers League schätze, dass zwischen 300.000 und 400.000 Kinder in der US-amerikanischen Landwirtschaft beschäftigt seien. Die Tabakernte sei besonders schädlich, da die Kinder regelmäßig Pestiziden und Nikotin in großen Mengen ausgesetzt seien.

Die Obama-Administration hätte versucht, landwirtschaftliche Arbeit strenger zu regulieren. Jedoch habe es viel Gegenwind von den Republikanern und den Farmern selbst gegeben, die fürchteten, kleine Familienbetriebe würden dadurch benachteiligt. Zwei neue Regelungen habe die Umweltschutzbehörde 2015 unter Obama trotzdem durchsetzen können: Demnach dürften Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren nicht auf Feldern arbeiten, die kurz zuvor mit Pestiziden besprüht wurden, und nicht mit Pestiziden arbeiten, deren Verwendung staatlich beschränkt ist. Jedoch habe die Trump-Administration bereits angekündigt, die Regelungen wieder abzuschaffen.

Ramchandani ist nicht die Einzige, die über Kinderarbeit auf Tabakplantagen schreibt, jedoch lässt ihre Reportage auch die Menschen zu Wort kommen, die davon betroffen sind oder waren, anstatt nur Zahlen und Fakten zu nennen. Wer sich zusätzlich für die Haltung der Zigarettenfirmen und die Bedeutung des Tabaks in North Carolina interessiert oder für die Kultur der landwirtschaftlichen Familienbetriebe, die strengere Regelungen erschwert, sollte den ganzen Artikel lesen.

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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