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Rassismus spielte im Ersten Weltkrieg eine wichtigere Rolle, als uns heute bewusst ist
Rassismus spielte im Ersten Weltkrieg eine wichtigere Rolle, als uns heute bewusst ist
( Link zum Originalbild | Urheber: Alfred T. Palmer | Wikimedia Commons | Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Es ist weithin bekannt, für wie viel Leid Rassismus und Nationalismus während des Zweiten Weltkriegs sorgten. Welche Rolle aber Rassismus auch im Kontext des Ersten Weltkriegs einnimmt,  ist vielen unbekannt. Geschichtsprofessor Robert Zaretsky berichtet auf FOREIGN POLICY, was gerade aus der Perspektive des heutigen Ethno-Nationalismus eine ganz neue Relevanz bekommt.

„Die Deutschen stinken und sind Barbaren“

Rassismus sah damals nicht unbedingt so aus, wie wir ihn heute kennen. Im Fall von Frankreich nahm er beispielsweise die Form von Imperialismus an. 200.000 afrikanische Soldaten kämpften im Ersten Weltkrieg für Frankreich, 30.000 starben – doch bis heute hat Frankreich sich nicht zu der Diskriminierung geäußert, die den afrikanischen Soldaten im französischen Heer begegnete. Die afrikanischen Soldaten mussten zwar an der Front ihr Leben riskieren – die Privilegien der französischen Kameraden genossen sie jedoch nicht. Häufig verwehrten französische militärische Anführer ihnen verdiente Beförderungen. Sie wurden als „natürlich kriegerisch“ angesehen.

Aber die Franzosen waren nicht nur den Afrikanern, sondern auch den Deutschen gegenüber rassistisch. Die Deutschen galten als „schreckliche, furchtbare Rasse“, als minderwertig. Es hieß sogar, sie hätten einen eigenen, unangenehmen Geruch. Nach dem Weltbild vieler Franzosen damals war die Menschheit in zwei Gruppen geteilt: Entweder war man ein Mensch oder ein Deutscher. Die empfundene Barbarei der Deutschen und ihre Andersartigkeit war einer der Gründer für die Härte des Versailler Vertrages, schreibt Zaretsky. Aber dieses Denken war nicht nur in Frankreich zu finden, auch beispielsweise in den USA war es verbreitet. Welche Rolle Rassismus im Ersten Weltkrieg spielte, wissen nur wenige. Doch diese Information hilft, den Krieg zu verstehen – und aus ihm Lehren für die heutige Zeit zu ziehen.

„Der spezielle Geruch der Deutschen galt auch als der Grund, warum die Bevölkerung der Region Alsace-Lorraine sich der Anpassung an die Deutschen immer widersetzt hatte. Der Psychologe Edgar Bérillon schrieb 1917, dass das mit dem „Geruch der Rasse“ zu tun habe. „Die deutsche Rasse“, verkündete er, produziert einen für unsere Landsmänner in Alsace-Lorraine sehr unangenehmen Geruch.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Alisa Sonntag.

Wer steckt dahinter?

Robert Zaretsky
Kommt aus:Houston, Texas, USA
Arbeitet für/als:Geschichtsprofessor an der University of Houston, spezialisiert auf Französische Geschichte
Was Sie noch wissen sollten:Zaretsky schreibt häufig auch Beiträge unter anderem für die NEW YORK TIMES, die LOS ANGELES TIMES und LE MONDE DIPLOMATIQUE. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, unter anderem über Albert Camus und andere Philosophen. Der Wissenschaftler arbeitet außerdem als Lektor beim LOS ANGELES REVIEW OF BOOKS und schreibt monatliche Kolumnen für die JEWISH DAILY FORWARD.
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