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Warum Trumps Außenpolitik für die USA im 21. Jahrhundert genau richtig ist
Warum Trumps Außenpolitik für die USA im 21. Jahrhundert genau richtig ist
( Link zum Originalbild | Urheber: Cheong Wa Dae | flickr.com | CC BY-SA 2.0 )

Das Argument in Kürze:

Für Jahrzehnte, schreibt Randall Schweller bei FOREIGN AFFAIRS, habe die US-Außenpolitik einer längst verblichenen unipolaren Weltordnung nachgehangen. In dieser waren die USA das Zentrum der Macht und griffen überall dort ein, wo es notwendig schien.

Schweller meint: Donald Trump habe als erster Präsident die richtigen Schlüsse aus dem Wandel der Welt gezogen und den notwendigen politischen Umbau eingeleitet. Sein außenpolitisches Auftreten sei Realismus in Reinform und keinesfalls wirr und impulsiv, sondern konsequent: Fokus auf die eigenen Interessen statt Inszenierung als Weltpolizei, Bi- statt Multilateralismus, klare Ansage statt rücksichtsvoller Dialog.

Trump passt die Außenpolitik der neuen Rolle der USA an

Fast drei Jahrzehnte ist es her, dass der Kalte Krieg mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion endete. Schweller beschreibt, wie die Welt sich seitdem verändert hat, speziell für die USA: Vom unangefochtenen wirtschaftlichen und militärischen Hegemon und Führer der “freien Welt” seien die Vereinigten Staaten zu einer Macht unter vielen geworden. Darauf habe Trump richtig reagiert: mit einer defensiveren Rolle der USA auf der globalen Bühne, mit Kürzungen des US-Beitrags zum Etat der Vereinten Nationen oder dem Rückzug aus multilateralen Abkommen.

Schwellers umfassende, geradlinige Analyse dieses Prozesses macht den Artikel ebenso lesenswert wie die Schlüsse, die er daraus zieht. Er argumentiert aus akademischer Perspektive; trotzdem ist der Essay auch für politikwissenschaftliche Laien nachvollziehbar.

Trump sehe, schreibt Schweller, die Welt wie sie eben sei: Als Arena, in der sich eigenständige Staaten im Wettkampf um die die eigene Sicherheit und wirtschaftlichen Wohlstand gegenüber stünden. In Trumps Weltbild lasse die Globalisierung die Staaten nicht näher zusammenrücken. Viel mehr bedeute wirtschaftliche Verflechtung mit anderen, selbst angreifbar zu sein.

Die von internationaler Zusammenarbeit geprägte liberale Weltordnung sei vor allem durch die Gefahrenlage während des Kalten Krieges entstanden. In der schnelllebigen multipolaren Welt zählten heute aber nicht mehr lange Partnerschaften, sondern kurzfristige, kleinschrittige Deals. Die USA müssten und könnten sich nicht mehr um alle kümmern. Aus dieser Einschätzung ziehe Trump die richtigen Schlüsse:

  • Trumps Protektionismus sei ein logischer Schritt: Zu lange hätten andere Länder durch den Export von Gütern in die USA als dem wichtigsten Konsumentenmarkt weltweit profitiert, gleichzeitig aber US-Produkte mit Zöllen belegt. Die Folge sei das große Handelsdefizit, das Trump nun reduzieren möchte. Zu Recht, wie Schweller findet: Denn langfristig würden die Defizite Wachstum und Arbeitsplätze kosten. Trump plane gewiss nicht, den Welthandel lahm zu legen und die USA abzuschotten. Man müsse seine Maßnahmen viel mehr als Druckmittel begreifen, um sich Zugang zu den Märkten anderer Länder zu verschaffen. Denn bis dato gehörten zu viele Amerikanerinnen und Amerikaner eher zu den Verlierern der Globalisierung.
  • Der Rückzug aus multilateralen Vereinbarungen sei nur folgerichtig. Wo sich Macht auf viele Ecken der Welt verteile, schreibt Schweller, könne der Freund von heute morgen schon ein Gegenspieler sein. Große Abkommen lähmten die eigene Handlungsfähigkeit und seien für die USA kaum mehr sinnvoll.
  • Schon seit Ende des Kalten Krieges sei es nicht mehr zu rechtfertigen, dass die USA in der NATO für die Sicherheit europäischer Staaten zahle, aber gleichzeitig im eigenen Land Sozialausgaben kürze. Anders als seine Vorgänger, die nur geklagt, aber nicht gehandelt hätten, habe Trump hier schnelle Erfolge erzielt: Die Rüstungsausgaben der europäischen NATO-Staaten seien momentan so hoch wie seit 2010 nicht mehr.

 

“Mit dem Ende der Amerikanischen Ära braucht Washington einen neuen Masterplan. Trumps Idee von Realismus ist eine solche Strategie.”

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Jannis Carmesin

 

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Wer steckt dahinter?

Randall Schweller
Kommt aus:Ohio, USA
Politische Position:Schweller steht politiktheoretisch strukturellen Realisten wie Kenneth Waltz nahe.
Arbeitet für/als:Professor für Politikwissenschaften und Direktor des Forschungsprogramms “Realist Foreign Policy” an der Ohio State University
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