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Warum wählen Frauen misogyne Politiker?
Warum wählen Frauen misogyne Politiker?
( Link zum Originalbild | Urheber: Sandy Millar | Unsplash | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

am Montag haben wir im Rahmen unseres neuen Formats Buzzard – Der Tageinen Beitrag empfohlen, der erklärt, warum fast die Hälfte der wahlberechtigten Brasilianerinnen den Kandidaten Jair Bolsonaro unterstützt haben, obwohl er sich im Wahlkampf mehrfach extrem frauenfeindlich geäußert hat. Dieses Phänomen gibt es nicht nur in Brasilien, sondern auch in den USA, vor allem unter weißen Frauen. Bei der Präsidentschaftswahl 2016 wählten 52 Prozent der weißen Frauen Donald Trump, obwohl es 22 Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen ihn gab. 63 Prozent der weißen Frauen wählten den Republikaner Roy Moore aus Alabama für den Senatssitz, obwohl ihm ebenfalls in mehreren Fällen sexuelle Belästigung vorgeworfen wurde, darunter auch an Minderjährigen. Weiße Frauen waren auch die einzige demografische Gruppe, deren Unterstützung des Obersten Richters Brett Kavanaugh während seines umstrittenen Bestätigungsverfahrens zunahm. Mit Blick auf die US-amerikanischen Zwischenwahlen nächste Woche stellt sich also eine interessante Frage: Warum wählen Frauen in den USA – vor allem weiße Frauen –Republikaner, die sich als misogyn erwiesen haben?

Drei Professorinnen der Rochester Institute of Technology, Christine A. Kray, Hinda Mandell und Tamar Carroll, haben darauf eine Antwort. Frauen würden nämlich oft dasselbe wählen wie ihre Ehemänner. Weiße Frauen seien statistisch gesehen häufiger verheiratet als andere Frauen und heirateten meist weiße Männer. Weiße Männer wählten sehr häufig Republikaner – daher würden weiße Frauen auch oft Republikaner wählen. Frauen verdienen weniger als Männer und seien daher wirtschaftlich von ihnen abhängig. Daher mache es für eine verheiratete Frau Sinn, vor allem das Wohlergehen ihres Ehemannes und ihrer Söhne im Blick zu haben. Und die Republikaner priorisierten schließlich meist die wirtschaftlichen Interessen von weißen Männern.

Zudem würden Frauen kulturell dazu erzogen, ihren Selbstwert in der Fürsorge für ihre Familie zu sehen – ein weiterer Grund, die Interessen des Ehemannes und der Söhne in den Vordergrund zu stellen. Die Interessen der Töchter werden in dem Beitrag nicht angesprochen. Das Bild der Frau als fürsorgliche Ehefrau und Mutter innerhalb des patriarchalen Haushalts ist außerdem tief in der christlichen Religion verankert, die auf viele weiße Familien großen Einfluss habe.

Wie das Bild der Frau als Unterstützerin ausgenutzt werden kann, sehe man am Fall Kavanaugh. Während der Affäre habe Trump Angst davor geschürt, dass Männer fälschlicherweise sexuellen Missbrauchs bezichtigt werden. Statistisch gesehen ist das sehr unwahrscheinlich, aber mit diesem Diskurs habe Trump vor allem die Fürsorgerolle von Frauen ansprechen können, die sich um ihre Söhne ängstigten.

Während sich in den letzten Jahrzehnten immer weniger Frauen in Abhängigkeit von Männern und von ihrer Rolle innerhalb der Familie definieren wollten, hätten weiße republikanische Frauen ihr eigenes Bild der starken Frau konstruiert, das die dominante Position von Männern in ihrem Leben jedoch nicht ausschließt: Die starke Frau, die ihre Familie (vor allem deren männlichen Mitglieder) um jeden Preis verteidigt und unterstützt.

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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