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Warum Merkels Rückzug alles andere als würdevoll ist
Warum Merkels Rückzug alles andere als würdevoll ist
( Link zum Originalbild | Urheber: berlinerfotograf | Pixabay | CC0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

Angela Merkel hat gestern eine sprichwörtliche Bombe platzen lassen. Zum Parteitag der CDU im Dezember will sie nicht noch einmal für den Parteivorsitz kandidieren. Kanzlerin will sie jedoch bis zum Ende der Legislaturperiode bleiben. Damit übernimmt Merkel Verantwortung für das Wahldebakel der hessischen CDU – und widerspricht ihren früheren Aussagen. Denn eigentlich hatte sie immer gesagt, Parteivorsitz und Kanzlerschaft gehören für sie zusammen.

Der Schritt wird von nationalen und internationalen Politik und Medien gelobt. Der französische Präsident Emmanuel Macron sagte, er empfinde Bewunderung für Merkel, ihre Entscheidung bezeichnet er als „äußerst würdevoll“. Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG schreibt, es sei der „richtige Zeitpunkt für den Abschied“ gewesen. Auch die TAGESSCHAU schreibt, Merkel habe es verstanden und „souverän und frei von Weltschmerz“ ihren Rückzug verkündet – besser als beispielsweise Horst Seehofer. In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG spricht Elmar Brok, der Europapolitiker, von einer „weisen und mutigen Entscheidung“, der ehemalige Bundestagspräsident Norbert Lammert bestätigte Merkel einen „ausgeprägten und sicheren Instinkt“ für die Momente, in denen Entscheidungen zu treffen seien.

Doch auch in unseren Nachbarländern schaut man in diesem Moment nach Deutschland. Und Peter Rásonyi, ein Journalist der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG, hat einen etwas anderen Blick auf Merkels Rückzug. Er schreibt: Es ist nur ein halber Rücktritt. Und damit alles andere als würdevoll. Indem Merkel weiterhin am Kanzleramt festhält, habe sie die Chance eines glanzvollen Abgangs endgültig verpasst. Das sei ganz nach Geschmack der „legendären Zauderin“, die politische Krisen stets ausgesessen hat, schreibt Rásonyi. Er bezweifelt, dass Merkel bis 2021 Kanzlerin sein wird.

„Der Verzicht auf das Parteiamt ist ein Blitzableiter. An der neuen Person an der Parteispitze und an den Kämpfen um die nächste Kanzlerkandidatur sollen sich in den kommenden Jahren die Medien und die politische Konkurrenz innerhalb und ausserhalb der Partei abarbeiten, während die Grand Old Lady im Kanzleramt noch drei Jahre lang weiter die Fäden zieht.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Alisa Sonntag
Kommt aus:Ursprünglich aus dem Raum Chemnitz, aktuell in Leipzig.
Politische Position:Arbeitet bei THE BUZZARD, weil sie möglichst viele Menschen ermutigen möchte, die eigene Filterblase ab und an mal zu verlassen.
Arbeitet für/als:Studiert in Halle an der Saale "Multimedia und Autorschaft" und "International Area Studies" im Master. Arbeitet außer für THE BUZZARD unter anderem für den MDR.
Was Sie noch wissen sollten:Hat ihr Bachelorstudium in Politik- und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen.
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