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Werden sexuelle Übergriffe von Männern als „normal“ banalisiert?
Werden sexuelle Übergriffe von Männern als „normal“ banalisiert?
( Link zum Originalbild | Urheber: danielle_blue | flickr | CC BY-SA 2.0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

schon mehr als ein Jahr ist es her, dass der inzwischen weltweit bekannte Hashtag #metoo aufkam, der längst auch abseits sozialer Netzwerke an Bedeutung gewonnen hat. Gestartet im Zuge der Vorwürfe gegen den US-amerikanischen Filmproduzent Harvey Weinstein, wurde #metoo zum Synonym für eine neue Einstellung gegenüber sexuellen Übergriffen. Sichtbar wurde dies zuletzt u.a. in der Diskussion um den von Donald Trump nominierten Richter für den Supreme Court, Brett Kavanaugh. Dabei gab es mehrfach Versuche, den Diskurs ins Gegenteil zu verkehren und die von Frauen geäußerten Anschuldigungen als böswillige Kampagne darzustellen, die jeden Mann treffen könnte. Trump selbst sprach von einer „gefährlichen Zeit“ für junge Männer. Auch in Internetdiskussionen heißt es mitunter, man könne sich als Mann gar nicht mehr wie bisher gegenüber Frauen verhalten, ohne Anschuldigungen befürchten zu müssen.

Wir empfehlen heute einen bemerkenswerten Text der Autorin Maura Quint, der diese Diskussion vom Kopf wieder auf die Füße stellt. Wer den Titel ihres Beitrags auf VOX.COM liest („All the men who never assaulted me“), gerät zunächst – sicher durchaus beabsichtigt – ins Stocken. Der Artikel beschreibt eine Reihe von Szenarien; jedes scheint auf einen sexuellen Übergriff hinaus zu laufen, doch am Ende passiert das nicht. Wieso? Weil das der normale Gang der Dinge ist, betont Maura Quint: Weil es normal ist, dass Männer ein „Nein“ der Frau akzeptieren. Das mag banal klingen – doch viel schlimmer sind für Quint die Versuche, sexuelle Übergriffe zu banalisieren. Sie räumt selbst ein, schon Opfer solcher Übergriffe geworden zu sein. Den Unterschied habe niemals ihre Kleidung, ihr Flirt- oder Trinkverhalten gemacht, schreibt Quint – sondern die Einstellung ihres männlichen Gegenübers.

Ein sehr intensiver Text, der klar sagt: Nicht alle Männer bedrängen oder begrabschen Frauen. Und den Männer, die es tun, sollte es unmöglich gemacht werden, sich hinter der Behauptung zu verstecken, dass man(n) das nun manchmal irgendwie tue:

Choosing to rape isn’t normal. Assault is not an inherent quality of being a man. It is vital that we identify this behavior and never de-stigmatize it, never accept those who want us to believe it’s the status quo.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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