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Mit einer neuen Finanzphilosophie könnten wir die Banken in den Griff bekommen
Mit einer neuen Finanzphilosophie könnten wir die Banken in den Griff bekommen
( Link zum Originalbild | Urheber: Nattanan Kanchanaprat | pixabay.com | CC0 )

Das Argument in Kürze:

“Im Reich der Natur gibt es Naturgesetze, im Reich der Wirtschaft hingegen ist nichts alternativlos”, schreibt Roland Albrecht in der WELT. Den Banken gegenüber seien wir nur so lange machtlos, wie wir den Status Quo als gegeben annehmen. Albrecht glaubt: Wenn wir uns von dem immer komplexeren System global vernetzter Großbanken lösen würden, könnten wir die Kontrolle über das Bankensystem zurück gewinnen.

Die Politik sollte die Arbeit von Banken auf ihre ursprüngliche Aufgabe limitieren

Albrecht fordert ein weniger verflochtenes System aus kleineren Banken, weil die Gefahr seiner Meinung nach vor allem von Großbanken ausgehe, die „too big to fail“ seien. Das sind Banken, die im Ernstfall unter allen Umständen vom Staat gerettet werden müssen, weil anderenfalls das Finanzsystem zu kollabieren drohte. Gesellschaftlich notwendig sind diese Großbanken nach Albrechts Einschätzung ohnehin nicht: Der Großteil der von Bankkunden und Unternehmen benötigten Dienstleistungen könnten ohne weiteres auch von kleineren Geldhäusern übernommen werden.

Albrecht will damit die Uhr zurück drehen. Es habe eine Zeit gegeben, erinnert der Autor, in denen Banken vor allem einem gesellschaftlichen Zweck gedient hätten; als Plattform, über die Unternehmen und Privatpersonen zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis an Geld kamen. Das habe sich geändert: Mit der neoliberalen Finanzphilosophie seien Banken immer mehr zu rein profitorientierten Unternehmen geworden, die von der Politik gleichzeitig immer weniger reguliert worden seien. Dieser Trend, so Albrecht, müsse dringend umgekehrt werden. Es brauche eine neue Finanzmoral, durch die Profit und gesellschaftliche Verantwortung Hand in Hand gingen. Ein solcher Wandel sei zwingend notwendig, weil sonst eine weitere Finanzkrise drohe  und eine solche nach Einschätzung Albrechts endgültig “den Schädel der liberalen Demokratie zerschmettern” werde.

“Wir brauchen einen neuen Ethos des verantwortlichen Bankings. Einen Ethos, der weder das Prinzip Geldverdienen noch das Prinzip Verantwortung verdammt, sondern beide vereint.”

Der Beitrag wird empfohlen von: Jannis Carmesin

 

Weitere Lesetipps von The Buzzard:

  • Experten spekulieren immer wieder über eine mögliche Fusion von Commerzbank und Deutscher Bank. Die Fusion würde die Entstehung einer deutschen “Megabank” bedeuten, wie Roland Albrecht sie verhindern möchte. In diesem Beitrag hat die dpa mögliche Vor- und Nachteile der Fusion gegenübergestellt.

Wer steckt dahinter?

Roland Albrecht
Kommt aus:Heidelberg
Arbeitet für/als:Kolumnist bei der Welt und Geschäftsführer der Marketingagentur GoYa!
Was Sie noch wissen sollten:Albrecht hat in München und Oxford Geschichte, VWL und Philosophie studiert
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