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Deshalb ist Trumps Definition von Geschlecht Unsinn
Deshalb ist Trumps Definition von Geschlecht Unsinn
( Link zum Originalbild | Urheber: Nerea Martínez García | Flickr | CC BY 2.0 )

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die Trump-Administration will eine strengere Definition von Geschlecht einführen, wie die NEW YORK TIMES am vergangenen Sonntag berichtete. Demnach soll Geschlecht als eine unveränderliche, biologische Beschaffenheit gelten, die anhand von äußeren Geschlechtsmerkmalen bei der Geburt festgelegt wird und Menschen als entweder weiblich oder männlich kategorisiert. Laut einer Memo des US-amerikanischen Gesundheitsamts soll diese Definition Titel IX ergänzen, ein Gesetz, das Diskriminierung aufgrund von Geschlecht in staatlich finanzierten Bildungseinrichtungen verbietet. Das Gesundheitsamt argumentiere, dass eine Definition nötig sei, die „auf Biologie basiert, klar, wissenschaftlich, objektiv und verwaltungstechnisch praktisch“ ist. Jegliche Unklarheiten bezüglich des Geschlechts sollen mithilfe von DNA-Analysen geklärt werden. Unter der Obama-Administration sei Geschlecht als persönliche Entscheidung und unabhängig von der Zuschreibung auf der Geburtsurkunde behandelt worden.

In den USA leben schätzungsweise 1,4 Millionen Menschen, die sich nicht anhand des ihnen bei Geburt zugewiesenen Geschlechts identifizieren. Viele fürchteten, dass eine fehlende staatliche Anerkennung von Transidentität folgenschwere Konsequenzen nach sich ziehen könnte. Beispielsweise würde der Schutz vor Diskriminierung unter Title IX nicht mehr auf Trans*Menschen zutreffen. Konkrete Auswirkungen davon seien unter anderem, dass Schüler in staatlichen geförderten Bildungseinrichtungen daran gehindert werden könnten, die Toilette oder Umkleidekabine zu benutzen, die ihrer Geschlechtsidentität entspricht. Als Antwort auf das Vorhaben der Trump-Administration hielten Trans*Aktivisten und ihre Unterstützer in den vergangenen Tagen Proteste in Washington D.C. ab und riefen den Hashtag #WontBeErased ins Leben.

Inmitten der vielen Stimmen, die sich für oder gegen das Vorhaben aussprechen, empfehlen wir einen Beitrag, der sich die geplante Definition von Geschlecht selbst und die Argumentation des Gesundheitsamts für seine Notwendigkeit ansieht. Jack Turban ist Assistenzarzt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Harvard Medical School und forscht zu Geschlechtsidentität bei Kindern. Auf PSYCHOLOGY TODAY schreibt er, dass eine wissenschaftlich fundierte Definition von Geschlecht, so wie sie das Gesundheitsamt wünscht, unmöglich ist.

Erstens sei eine binäre Einteilung von Menschen in männlich oder weiblich aufgrund von äußeren Geschlechtsmerkmalen realitätsfern. Denn es gäbe ungefähr 200.000 Menschen in den USA, deren Geschlechtsmerkmale sich nicht eindeutig zuordnen ließen. Zweitens könne auch eine DNA-Analyse keine Aufschlüsse über das Geschlecht einer Person liefern. Es gäbe beispielsweise Menschen, deren Zellen sowohl XY- als auch XX-Chromosomen aufweisen. Oder Menschen, die zwar XY-Chromosomen besäßen aber keinen Rezeptor für Testosteron, weswegen sie weibliche äußere Geschlechtsmerkmale hätten.

Turban findet das Vorhaben der Trump-Administration fraglich, da die angestrebte Definition von Geschlecht keinerlei wissenschaftlichen Hintergrund habe. Dafür sei etwas anderes durchaus wissenschaftlich belegt: Wenn Menschen in binäre Geschlechterkategorien gezwungen werden oder ihre Geschlechtsidentität nicht akzeptiert wird, leide ihre mentale Gesundheit darunter, was unter anderem zu einem erhöhten Risiko für Suizid führe.

„Ärzte haben mittlerweile erkannt, dass allein physische Merkmale die Geschlechtsidentität nicht bestimmen. Dinge wie Anatomie oder Chromosomen sind dafür einfach nicht ausreichend. Die einzige Möglichkeit, die Geschlechtsidentität einer Person festzustellen, ist, die Person danach zu fragen.“

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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