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Digitale Bildmanipulation – eine Gefahr für die Demokratie
Digitale Bildmanipulation – eine Gefahr für die Demokratie

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

ob Technik unsere Jobs bedroht, das ist zurzeit eine ausgiebig geführte Debatte. Wir haben sie diese Woche in den Blick genommen und von verschiedenen Seiten beleuchtet: Einige Kommentatoren sehen Millionen Jobs gefährdet, andere erwarten keine Jobverluste, dafür mehr Ungleichheit, wieder andere fürchten, dass vor allem Männer ihre Arbeit verlieren. Klar ist, mit dem Voranschreiten der Technik verändert sich unsere Arbeitswelt. Ein Aspekt, der in der Diskussion bisher zu kurz kommt, ist, wie die Technik darüber hinaus unsere Demokratie beeinflussen wird. Denn das wird sie.

Dem widmet sich Jennifer Finney Boylan in einem Kommentar in der New York Times. Genauer: dem Phänomen digitaler Bildmanipulation. Hier gab es in den vergangenen Jahren rasante Fortschritte, was Boylan unter anderem anhand von YouTube-Videos belegt. In einem erzählt ein sehr echt wirkender Obama von den Möglichkeiten digitaler Bildmanipulation, beleidigt nebenbei Trump und endet mit „Stake woke, bitches“. Eine Fälschung natürlich. Die sogenannten „Deep Fakes“ haben auch schon Netzskandale ausgelöst: So sorgte eine Fotomontage der Aktivistin Emma Gonzáles in Amerika für Entrüstung – sie zerreißt auf dem Foto die amerikanische Verfassung. In Wirklichkeit ist das nie passiert.

Boylan argumentiert, dass selbst als Lügen entlarvte Nachrichten großen Schaden anrichten. Gerade vor Wahlen könnten die Folgen fatal sein – etwa wenn einem Kandidaten in einem geschickt manipulierten Video Aussagen in den Mund gelegt werden, die Wähler gegen ihn aufbringen. Noch bevor das Video als „Deep Fake“ enttarnt wäre, könnte es das Wählerverhalten bestimmen – und damit die Demokratie gefährden.

„Es ist jedoch möglich, dass ein guter Wille aus der tiefen Fälschungsgefahr kommt. Vielleicht werden wir besser verstehen, dass die Wahrheit sowohl wertvoll als auch gefährdet ist. Vielleicht werden wir lernen innezuhalten, bevor wir dem vom Internet angeheizten Zorn nachgeben. Vor allem müssen wir manipulative Lügner – wie auch die Menschen, die darauf bestehen, deren Fiktionen zu glauben – stärker herausfordern und widerlegen.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit, z. B. zur Frage gesellschaftlicher Umverteilung.

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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