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Die Grünen sind die Partei der Lebenslügen
Die Grünen sind die Partei der Lebenslügen
( Link zum Originalbild | Urheber: GDJ | Pixabay | CC0 )

Das Argument in Kürze:

Es stimmt nicht, dass die Grünen so stark sind, wie alle glauben, argumentiert der Schriftsteller Klaus-Rüdiger Mai auf dem rechts-konservativen Blog Tichys Einblick. Im Gegenteil: Der Erfolg der Grünen sei ein Pyrrhussieg. Denn die Stärke der Grünen in Bayern offenbare zugleich ihre Schwäche. Dafür gibt es seiner Meinung nach zwei Gründe.

Hohe Moral ohne Blick für die Konsequenzen

Punkt eins: Den Grünen fehle mit der schrumpfenden SPD eine ernsthafte Machtoption, um im rot-grün-linken Politikspektrum nachhaltig ihre Politik durchsetzen zu können. Bevölkerungsschichten abseits der „gentrifizierten Hochburgen“ des neuen „Spießbürgertums“, wie Mai die Wählerschaft der Grünen klassifiziert, fielen nicht auf die hypermoralischen Lebenslügen der Grünen herein: „Die Wohlfühlphrasen, die allgemeinmenschelnde Kumpanei, die Vereinnahmung kommt im selbstreflexionsfreien juste milieu gut an, doch auch nur dort.“

Die Migrationspolitik der Grünen sei ein Beispiel für die verantwortungslose abstrakte Moralität des postmodernen Spießertums. Einerseits forderten sie eine humane Flüchtlingspolitik und pochen auf das Recht von Flüchtlingen, nach Deutschland zu kommen und am Reichtum in Deutschland zu partizipieren. Andererseits lebe das Klientel der Grünen weit weg von den Verwerfungen in Migrantenvierteln, müsse ihre Kinder nicht auf Schulen mit hohem Ausländeranteil schicken oder konkurriere nicht im selben Ausmaß um Wohnungen wie andere Bevölkerungsgruppen. Es sei daher ein leichtes, impliziert Mai, sich eine hohe Moral zu leisten, für deren Konsequenzen aber andere aufkommen müssen. Diese entkoppelte Verantwortung zwischen dem moralischen Zeigefinger einerseits und der angeblichen Ignoranz gegenüber den tatsächlichen Folgen macht für Mai den Kern seiner Überzeugung aus, dass die Grünen – aufgrund dieser strukturellen Schwäche – eine Klientelpartei bleiben werden und nicht die gesamtgesellschaftlichen Interessen repräsentieren können.

Der mediale Hype um die Grünen wird nicht ewig dauern

Grund zwei, der gegen den Aufstieg der Grünen zur Volkspartei spricht, ist die angeblich verzerrte mediale Berichterstattung über die Grünen vor und nach der Wahl. Laut Mai basiert der Wahlerfolg der Grünen zu großen Teilen auf einer einseitigen Kampagne einer Mehrzahl von Medien, die die CSU „kampagnenhaft heruntergeschrieben, desavouiert und die Grünen gefeiert“ hätten. Nach der Wahl setzt sich dieses Spiel fort: In Bayern haben nicht einmal ein Drittel der Bürger für rot-grün votiert – das bürgerliche Lager verfüge über eine Mehrheit von 64,1% (wobei Mai offenbar die AfD zum „bürgerlichen“ Lager hinzuzählt). Dennoch werden die Grünen von den Medien in der Berichterstattung überhöht. Diese Medienstärke sei allerdings „ohne Nachhaltigkeit“ und wärme wie ein Strohfeuer. Denn aufgrund einseitiger Parteinahme sei irgendwann der Vertrauensvorschuss von Seiten der Bürger gegenüber den Medien aufgebraucht, sodass – so das implizite Argument Mais – die wahre, unbequeme Seite der Grünen letztendlich wieder zurück ans Tageslicht kommen wird.

Mit seiner Wahlanalyse zeichnet Klaus-Rüdiger Mai aufgrund seiner scharfen, teils überspitzten Kontrastierung verschiedener gesellschaftlicher Milieus und Interessengruppen ein alternatives Bild zur teils überhöhten Darstellung des grünen Wahlerfolgs in den großen etablierten Medien. Die Position des Autors ist für Leser aus der angesprochenen „grünen“ Klientel – auch aufgrund der absoluten Diskreditierung grüner Ideale – mit Sicherheit schwer erträglich. Die Kritik an der angeblichen Abgehobenheit der grünen Wählerschaft, die dieser Beitrag vermittelt, ist allerdings repräsentativ für eine – zunehmende – Anzahl an Menschen, die sich von einem moralischen Zeigefinger links-liberaler Bevölkerungsschichten alleine nicht beeindrucken lassen.

„Die Grünen interessieren sich nicht für die Umwelt, sie haben aus ihr eine Ideologie gemacht. So wie bei der Eiskönigin im Märchen alles, was sie berührt, zu Eis wird, wird alles, was die Grünen berühren zu Ideologie. Darin besteht in der Mobilisierung ihr Vorteil, doch da jede Ideologie früher oder später an der Realität zerbricht, auch ihr Nachteil, die Frage ist nur zu welchen Kosten für das Land und seine Bürger.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Felix Friedrich

 

Wer steckt dahinter?

Klaus-Rüdiger Mai
Kommt aus:geboren in Sachsen-Anhalt, lebt in Berlin
Politische Position:Mai gibt seine politische Position nicht bekannt. Auf Basis der Texte, die er für Tichys Einblick schreibt, lassen sich erzkonservative Werte erkennen, die sich insbesondere durch eine starke Ablehnung von Merkels Flüchtlingspolitik ausdrückten.
Arbeitet für/als:Freier Schriftsteller und Journalist, früher arbeitete er für das Theater, Rundfunk und das Fernsehen. Promoviert hat er in Germanischer Literaturwissenschaft. Mai schreibt neben journalistischen Beiträgen und Sachbüchern auch belletrestische Literatur. Seine Bücher verfasst er unter zwei verschiedenen Pseudonymen: Sebastian Fleming und Nicholas Lessing, um seine Sachbüchern von den Romanen zu trennen.
Was Sie noch wissen sollten:In einem autobiographischen Kurzessay "Pour Max Jacob" beschreibt Mai sein Verhältnis zur Wahrheit: "Traumreicher Fluchtpunkt wurde [...] sehr schnell das Paris der Surrealisten, vor allem nachdem ich sechzehnjährig Louis Aragons voluminösen Roman „Spiegelbilder“ verschlungen hatte, in dem ich das erste Mal etwas über die Verbrechen des Stalinismus in Spanien und über die Moskauer Prozesse las, was mich sehr verstörte, weil ich plötzlich begriff, dass ich systematisch belogen wurde. Spätestens seitdem existiert für mich nichts Wichtigeres als die Wahrheit, die zugleich Bedingung der Freiheit ist."
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