Zurück zur Übersicht
Roboter führen nicht zu Massenarbeitslosigkeit, aber sie verändern, wie wir arbeiten
Roboter führen nicht zu Massenarbeitslosigkeit, aber sie verändern, wie wir arbeiten

Das Argument in Kürze:

Im Zeitalter der Digitalisierung werden in der Arbeitswelt zwar immer mehr Roboter eingesetzt – das führe aber keineswegs zu Massenarbeitslosigkeit, sagt der VWL-Professor Jens Südekum. Zwar sorgen Roboter dafür, dass es in manchen Bereichen weniger Arbeitsplätze gebe, vor allem in der Industrie. Dafür werden aber viele neue Arbeitsplätze entstehen.

Die verlorenen Arbeitsplätze werden woanders wieder ausgeglichen

Südekum ist Professor für Internationale Volkswirtschaftslehre in Düsseldorf und hat zum Einfluss von Industrierobotern auf dem deutschen Arbeitsmarkt geforscht. In einem Gastbeitrag für die Webseite WISSENSCHAFTSJAHR schreibt er: Selbstverständlich könnten Roboter negative Auswirkungen auf die Arbeitswelt haben. Im verarbeitenden Gewerbe etwa reduziere ein Roboter im Durchschnitt zwei Arbeitsplätze. Im Zeitraum zwischen 1994 und 2014 seien deutschlandweit 131 000 Roboter eingesetzt worden. Viele von ihnen haben Arbeitsplätze ersetzt: Südekum spricht von 275 000 Vollzeitjobs. Er relativiert diese Zahl aber und argumentiert: In wirtschaftsnahen Dienstleistungen außerhalb der Industrie seien gleichzeitig aber Arbeitsplätze dazugewonnen worden. Das gleiche das Jobdefizit aus.

Der Einsatz von Robotern führe also zu einem Wandel in den Strukturen, schreibt Südekum. Roboter verändern wie wir arbeiten. Die Veränderung findet aber nicht von heute auf morgen statt, sondern über Generationen hinweg. Deshalb gebe es keinen Grund zur Sorge. Erklärend fügt Südekum hinzu, es seien keine Arbeitnehmer durch den Einsatz von Robotern direkt entlassen worden. Stattdessen habe es einfach weniger Arbeitsplätze für Berufseinsteiger gegeben.

Laut Südekums Analyse, gehen durch Roboter keine Arbeitsplätze im großen Stil verloren. Eher sieht er ein anderes Problem: Die Digitalisierung verschärfe die Ungleichheit der Einkommen. Was in Südekums Text fehlt, sind konkrete Beispiele für Berufe, in denen durch Roboter tatsächlich neue Arbeitsplätze geschaffen werden.

„Wellen der Massenarbeitslosigkeit stehen nicht an. Viele der Horrorszenarien, die in den Medien verbreitet werden, sind substanzlos, spekulativ und entbehren einer wissenschaftlichen Grundlage. Das bedeutet aber nicht, dass wir uns einfach zurücklehnen können. Das eigentliche Problem der Digitalisierung liegt woanders: sie kann zu stärkerer Ungleichheit der Einkommen und Vermögen führen und dadurch den gesellschaftlichen Zusammenhalt bedrohen.“ 

Dieser Beitrag wird empfohlen von: Nadja Tausche

 

Zusätzliche Lesetipps von TheBuzzard:

Südekum ist mit seiner Einschätzung nicht alleine. Viele Menschen in Konzernen, Fabrikhallen und Büros teilen seinen Optimismus.

  • Eine aktuelle Studie zeigt, dass auch viele Arbeitgeber in Deutschland die Sorge für Massenarbeitslosigkeit für übertrieben halten.
  • Eine weitere Studie zeigt, dass auch die Arbeitnehmer nicht davon ausgehen, dass sie ihren Job verlieren werden

 

Wer steckt dahinter?

Jens Südekum
Kommt aus:Goslar
Arbeitet für/als:Universitätsprofessor für Internationale Volkswirtschaftslehre am Düsseldorfer Institut für Wettbewerbsökonomie (DICE) an der Heinrich-Heine-Universität
Was Sie noch wissen sollten:Südekum wurde im 2017er Ranking der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu einem der 100 einflussreichsten deutschen Ökonomen gewählt.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.