Zurück zur Übersicht
Warum interessiert es keinen, dass für Windräder auch Wald gerodet wird?
Warum interessiert es keinen, dass für Windräder auch Wald gerodet wird?
( Link zum Originalbild | Urheber: Markus Spiske | Pexels | CC0 Public Domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

letzten Freitag wurde die Rodung des Hambacher Forsts vom Oberverwaltungsgericht Münster vorläufig gestoppt. Bis das Verwaltungsgericht Köln über die Klage des Bundes für Umwelt und Naturschutzes Deutschland (BUND) gegen den Energiekonzern RWE und dessen Hauptbetriebsplan 2018 bis 2020 für den Braunkohletagebau entschieden haben, dürfen die Waldflächen des Hambacher Forstes nicht gerodet werden. In den Wochen zuvor hatten zahlreiche Demonstranten gegen die Pläne des RWE protestiert.

Heute kündigte RWE an, die Kohleförderung um 10 bis 15 Millionen Tonnen zu drosseln. Das sei ein Rückgang um 25 bis 38 Prozent und habe die Folge, dass die Stromerzeugung in den Kraftwerken Neurath und Niederaußem um 9 bis 13 Terawattstunden sinkt. RWE schätzt, dass bis Ende 2019 noch Braunkohle gefördert werden könne, bevor die Bagger am Rand des Hambacher Forsts nicht mehr weitergraben können. Da eine Entscheidung des Gerichts jedoch bis Ende 2020 dauern könnte, schränkt RWE die Kohleförderung ein, damit die Folgen für das Unternehmen und seine Mitarbeiter möglichst gering bleiben.

Viele feiern den Rodungsstopp als Erfolg der Demonstrationen der letzten Wochen. Der Chefredakteur von CAPITAL, Horst von Buttlar, sieht das kritischer. Er findet, dass die Diskussionen um den Hambacher Forst die Widersprüche der Umweltbewegung und der Energiewende zeigen. Von Buttlar schreibt, dass es in Deutschland zwei Ziele gebe: Die Klimaschutzziele erreichen und aus der Atomkraft aussteigen. Diese Ziele seien keineswegs das Gleiche – im Gegenteil, sie kämen sich eher ins Gehege: „Wollten wir nur unsere CO2-Emmissionen senken, müssten wir die Atommeiler eigentlich länger laufen lassen – während wir planmäßig die Erneuerbaren hochfahren. Die Mehrheit der Deutschen will aber auch keine Kernenergie, also schalten wir die Meiler ab, fahren die Erneuerbaren hoch, aber da wir als Industrieland eine Grundlast in der Energieversorgung benötigen, brauchen wir leider auch die Kohle.“ Weil die Energiewende also nicht so einfach sei, bräuchten wir solche symbolischen Siege wie den Rodungsstopp im Hambacher Forst, „so als Klima-Katharsis“.

Dass „Hambi“ überhaupt so umkämpft wurde, bezeichnet von Buttlar als Heuchelei. Schließlich würde für den Bau von Windrädern genauso Wald gerodet – momentan sogar nur 40 Kilometer entfernt vom Hambacher Wald im Aachener Münsterwald. Ein Windrad nehme 1,5 Hektar Waldfläche in Anspruch. Von den 28.000 Windrädern in Deutschland stünden 1500 im Wald. Für den Ausbau von Windkraftanlagen sei der Hambacher Forst schon mehr als fünf Mal gerodet worden – jedoch ohne einen nationalen Aufschrei. Natürlich müsse es in Deutschland Windkraft geben, um die erneuerbaren Energien auszubauen. Aber dass Windräder ausgerechnet im Wald gebaut werden und dass die Umweltbewegung das auch noch gutheißt, versteht von Buttlar nicht.

„Damit hier kein Missverständnis entsteht: Wenn ich so frei aus meinem Berliner Büro etwas wünschen dürfte, würde ich auch den Hambacher Forst erhalten. Ich bin natürlich auch gegen Braunkohle. Aber darum geht es im Kern nicht. Den Kampf um den Hambacher Forst halte ich für ziemlich albern, ja für eine symbolische und sinnlose Schlacht, mit der wir die eigentlichen Widersprüche und schmutzigen Geheimnisse der Energiewende übertünchen.“

Hier entlang zum Originalartikel.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. Wenn Sie mehr zum Thema Umwelt und Energiewende lesen möchten, empfehlen wir unsere ausführlichen Debatten zum Klimaschutz:

  • „Läuft etwas schief in der deutschen Klimapolitik?“
  • „Wie ernst wird der Klimawandel für uns in Deutschland?“
  • „Ist unser Lebensstandard gefährdet, wenn wir strengere Umweltpolitik machen?“
  • „Ist ein beschleunigter Kohleausstieg notwendig?“

Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
Lies unsere besten Empfehlungen bequem per E-Mail. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.