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Wahlrecht ab 16: Unverantwortlich oder Mittel gegen eine „Herrschaft der Alten“?
Link zum Originalbild: https://pixabay.com/de/wahlschein-wahl-wahlen-deutschland-453807/
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Guten Morgen,

vor Wahlen entzündet sich regelmäßig die Debatte um die Frage, ab welchem Alter Menschen ihre Stimme abgeben dürfen. In elf deutschen Bundesländern dürfen Jugendliche ab 16 Jahren an Kommunalwahlen teilnehmen. In vier Bundesländern gilt das Wahlrecht ab 16 sogar bei Landtagswahlen: In Brandenburg, Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein. In Bayern zählen die Stimmen von Menschen unter 18 Jahren bei keiner Wahl. Ob das so richtig ist, darüber wird in Bayern vor der anstehenden Landtagswahl am 14. Oktober hitzig diskutiert.

Das Wahlrecht ab 16 Jahren sei wichtig, sagen die einen, sonst drohe eine „Herrschaft der Alten“, wie die Süddeutsche Zeitung die Angst von Befürwortern der Wahl ab 16 zusammenfasst. Immerhin seien bei der kommenden Landtagswahl nach Auskunft des Statistischen Landesamts 34,8 Prozent der Wahlberechtigten 60 Jahre oder älter, schreibt die Zeitung. Kritiker der Wahl ab 16 sagen: Mit 16 Jahren dürfe man weder Verträge abschließen noch heiraten. In der Pubertät bilden Jugendliche sich eine Meinung und hängen womöglich auch mal einer extremen Meinung an, um das mal auszuprobieren. So argumentierte Juliane Fliegenschmidt vom WDR vor der Bundestagswahl 2017: Nicht die richtige Zeit also, um zu wählen, so ihr Fazit.

Eine interessante Perspektive zum Thema bietet ein Interview von jetzt. de mit dem Präsidenten des Bayerischen Jugendrings, Matthias Fack. Denn der Bayerische Jugendring organisiert die U18-Wahl, bei der am vergangenen Wochenende in Bayern mehr als 60 000 Jugendliche teilgenommen haben. Die Wahl soll die Prioritäten junger Menschen aufzeigen. In dem Interview erklärt Fack wie die U18-Wahl abgelaufen ist, wie hoch der Zulauf war und welche Parteien Jugendliche in den Landtag wählen würden. Die jungen Leute hätten unglaublichen Respekt vor dem Wahlakt, sagt er etwa, und Umweltschutz spiele eine deutlich größere Rolle als bei Altwählern. Ablauf und Ergebnisse der U18-Wahl können wichtig sein, um sich eine Meinung über das Wahlrecht ab 16 zu bilden – auch, wenn das Interview nicht neutral, sondern eindeutig auf der Seite der Befürworter einer U18-Wahl zu verorten ist.

„Ich war bewegt, mit welcher Ernsthaftigkeit die Jugendlichen in die Wahllokale gegangen sind, um ihre Stimme abzugeben. Der Moment der Wahl war für sie ein ganz besonderer. Auch wenn sie wissen, dass es nichts zählt, empfinden sie es trotzdem als sehr wichtig und haben dadurch das Gefühl, dass sie auch mal was sagen können.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

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Wer steckt dahinter?

Nadja Tausche
Kommt aus:München
Politische Position:Versucht, alle politischen Richtungen zumindest neutral zu betrachten
Arbeitet für/als:Arbeitet als freie Journalistin unter anderem für die Süddeutsche Zeitung, den Donaukurier und The Buzzard
Was Sie noch wissen sollten:Nadja Tausche hat im bayerischen Eichstätt und in Barcelona Journalistik studiert.
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