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Tsunami in Indonesien: Mangelt es uns an Empathie?
Tsunami in Indonesien: Mangelt es uns an Empathie?
( Link zum Originalbild | Urheber: David Rydevik | Wikimedia Commons | Public domain )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

am 26. Dezember 2004 – die TV-Jahresrückblicke waren bereits abgeschlossen – ging vor Ende des Jahres noch eine Meldung um die Welt, die die Berichterstattung der kommenden Wochen prägen sollte: Ein Erdbeben in Südostasien hatte zu verheerenden Tsunamis und Verwüstungen am Golf von Bengalen, der Andamanensee und Südasien geführt. Die Opferzahlen schnellten in die Höhe – aber auch die Spendenbereitschaft war groß: Mehr als 600 Millionen Euro spendeten die Deutschen damals.

Bei der aktuellen Tsunami-Katastrophe, die vor allem Indonesien schwer getroffen hat, nimmt WELT-Redakteur Daniel-Dylan Böhmer hingegen eine Empathielosigkeit wahr, die er für gefährlich hält. Wir empfehlen für den heutigen Perspektivwechsel seinen Text – und gleichzeitig einen Beitrag von RP-ONLINE, der sich viel kritischer „der dunklen Seite der Empathie“ widmet. Die Diskussion um Mitleid, Mitgefühl oder eben Empathie war besonders im Sommer 2018 präsent, als der Fall der in einer Höhle eingeschlossenen thailändischen Jungen mediale Aufmerksamkeit erregte: „Zweierlei Maß von Mitleid“ machte damals etwa die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG aus, verglichen mit den Bootsflüchtlingen im Mittelmeer, denen wesentlich weniger öffentliches Mitgefühl zuteil werde.

Einige Forschungsansätze sehen Empathie äußerst kritisch. Auch Lothar Schröder auf RP-ONLINE schreibt: „Unser Mitleid rettet kein einziges Menschenleben.“ Nichtsdestotrotz stimmt er mit WELT-Redakteur Daniel-Dylan Böhmer darin überein, dass Empathie eine wichtige zivilisatorische Leistung ist. Böhmer jedoch zeigt sich besorgt über den Trend, den er am Beispiel der aktuellen Naturkatastrophe zu erkennen glaubt, denn „wenn wir nicht mehr mitfühlen, hören wir auf, etwas tun zu wollen. Das ist die größte Gefahr.“ Starke Gefühle haben laut Lothar Schröder jedoch eine klare Schattenseite:

Das Gefühl des Mitleidens kann extrem stark sein. Das hat nicht selten zur Folge, dass es auch extrem kurzlebig und darum auch selten stark genug ist, etwa Vorurteile abzubauen.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag von Böhmer.

Hier entlang zum Originalbeitrag von Schröder.

 

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Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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