Zurück zu allen Tagesempfehlungen
Nullwachstum? Rettet den Planeten nicht
Nullwachstum? Rettet den Planeten nicht

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

Wachstumskritik ist seit Jahren auch in großen Medien zu lesen. Die TAZ bezeichnet das „Höher, schneller, weiter“ als Rechtfertigungsideologie des Kapitalismus. Auch in der ZEIT schreibt ein Autor, rechte wie linke Politiker müssten aufhören, ständig Wachstum zu fordern. Unter Schlagwörtern wie „Degrowth“ und „Postwachtumsgesellschaft“ finden sich, etwa in der FAZ, Plädoyers für einen neuen Blick auf wirtschaftliche Entwicklungen. Und zuletzt argumentierte George Monbiot, Kolumnist des Guardian, dass wir Emissionen nicht senken können, solange unsere Volkswirtschaften wachsen.

Das mag alles stimmen, schreibt Andrew Watt auf Makronom. Doch selbst Nullwachstum löse das Klimaproblem nicht. Die Forderung danach gehe nämlich am eigentlichen Problem vorbei: dem bereits existierenden Volumen an jährlicher Produktion. Watt zeigt das an einem Beispiel: Er rechnet vor, dass nur wenige Jahre gewonnen wären, wüchse die Wirtschaft eines Landes bis 2050 überhaupt nicht mehr. Fünf bis sieben Jahre später hätte es die gleiche Menge an Umweltschäden verursacht wie bei normalem Wachstum – also die gleiche Menge an CO2, Ressourcenverbrauch und Verschmutzung.

Watt argumentiert nicht, dass Wachstum irrelevant ist im Kampf gegen den Klimawandel. Nur seien die bereits bestehenden Produktions- und Konsumstrukturen eben der eigentliche Knackpunkt. Was genau Watt unter diesen Strukturen versteht und wie sie zu verändern sind, da wird seine Argumentation leider vage. Er schreibt von technologischen Lösungen, Besteuerung und Investitionen in die öffentliche Infrastruktur. Lesenswert ist sein Kommentar trotzdem, weil er deutlich macht, dass Nullwachstum nur Teil einer größeren Lösung des Klimaproblems sein kann.

„Richtig ist, dass die Herausforderung, die Umweltschäden in der westlichen Welt zu begrenzen und Zeit für technologische Innovationen und strukturellen Wandel zu kaufen, etwas einfacher wird, wenn das Wachstum schwächer ausfällt. [Nur] wird auch „Nullwachstum“ definitiv nicht ausreichen.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag.

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Am Montag, den 8. Oktober, beginnt die exklusive dreiwöchige Testphase von „Buzzard – Der Tag“. Wir bieten persönlich kuratierte Perspektiven zu den Topthemen des Tages: mehr Argumente, mehr Hintergründe. Fünfmal die Woche. Hier kannst du dich kostenlos anmelden und von Anfang an dabei sein.

 

Du kennst eine Perspektive, die wir unbedingt berücksichtigen sollten? Dann schreib uns an info@thebuzzard.org

Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
Lies The Buzzard ab sofort in deinem E-Mail Postfach. Nein danke

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.