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Warum diskutieren alle über Diesel anstatt in E-Autos zu investieren?
Warum diskutieren alle über Diesel anstatt in E-Autos zu investieren?
( Link zum Originalbild | Urheber: David Roumanet | Pixabay | CC0 Public Domain )

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Guten Morgen,

gestern gab die Bundesregierung die Ergebnisse ihres Diesel-Gipfels bekannt. Demnach werden Hersteller Umstiegsprämien und Rabatte für die Halter von Euro-4- und Euro-5-Fahrzeugen in 14 besonders schadstoffbelasteten Städten anbieten. Mit den Prämien können betroffene Dieselfahrer sowohl Neu- als auch Gebrauchtwagen kaufen. Fahrer von Euro-5-Fahrzeugen haben auch die Möglichkeit, ihr Auto nachrüsten zu lassen, wobei der nachrüstende Hersteller die Kosten trägt. Diese Regelungen sollen auch in Städten gelten, in denen künftig Diesel-Fahrverbote herrschen könnten, sowie in angrenzenden Landkreisen. Fahrer, die berufsbedingt in diese Städte pendeln, können ebenfalls von den Maßnahmen Gebrauch machen.

Die Beschlüsse wurden von den meisten Kommentatoren in den Medien eher schlecht aufgenommen. Der Journalist Michael Bauchmüller bezeichnet den Diesel-Gipfel in der SÜDDEUTSCHEN zum Beispiel als eine „Luftnummer“. Die einzige Auswirkung der Maßnahmen sei, dass Hersteller durch die Rabatte neue Fahrzeuge besser verkaufen und alte Autos zurückkaufen könnten, so wie sie das schon immer getan hätten. Nur könnte die Bundesregierung das jetzt als die ultimative Antwort auf das Schadstoffproblem in den Städten präsentieren. Die Einwohner der Städte würden jedenfalls keine Besserung der Situation merken.

Ähnlich empört gibt sich der Journalist Gerald Traufetter, der im SPIEGEL der Bundesregierung Staatsversagen attestiert. Der Staat verwende 800 Millionen Euro an Steuergeldern dafür, um die Folgen seiner verfehlten Umweltpolitik auszumerzen, während die Autoindustrie gerade mal 250 Millionen Euro dazu beitrage. Im Endeffekt müssten also die Autokäufer und Steuerzahler für die Schummelei der Industrie geradestehen – das sei alles andere als fair.

Während die Diskussion um den Diesel also wie bisher wenig zufriedenstellend weiterläuft, fragt sich der Sprecher für Verkehrspolitik der Grünen im Bundestag Stephan Kühn: Warum konzentrieren sich alle überhaupt noch auf den Diesel, wenn die Zukunft sowieso in Elektroautos liegt? Die Grundsteine für die Elektromobilität in Deutschland seien schon lange gelegt worden. Der Plan war, bis 2020 eine Million E-Autos auf den Straßen zu haben. Tatsächlich seien bis Ende 2017 aber nur 130.000 zugelassen worden. Der Grund: Mangelnde Reichweite der Autos, zu wenige Ladestationen und zu hohe Anschaffungspreise. Kühn schlägt mehrere Maßnahmen vor, die diese Probleme beheben könnten – doch letztlich scheitere es daran, dass die Bundesregierung Elektromobilität zu wenig fördere und gleichzeitig aber Diesel stark subventioniere. Langfristig schade sie damit der Autoindustrie sogar, denn schmutzige Dieselautos hätten auf dem Weltmarkt keine Zukunft.

„Wir können uns in Deutschland kein Biotop für fossile Verbrennungsmotoren erlauben, während sich der Rest der Welt einen Wettkampf um saubere Antriebe liefert. Unsere Verantwortung für Klimaschutz und saubere Luft, die Erwartungen der Verbraucher an ein abgasfreies Automobil sowie die wachsende internationale Konkurrenz werden die Autoindustrie in den nächsten zehn Jahren vermutlich mehr verändern als in den letzten 50 Jahren. Nur wenn sich Politik und Industrie diesen Herausforderungen stellen, anstatt mit Technologien aus der Vergangenheit die Zukunft von morgen bestreiten zu wollen, haben unsere Autos auf dem Weltmarkt eine Zukunft.“

 

Hier entlang zum Originalartikel.

 

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Wer steckt dahinter?

Stephanie Berens
Kommt aus:Deutschland
Politische Position:Versteht sich als Feministin und interessiert sich für Gender und Queer Studies.
Arbeitet für/als:Studiert Amerikanistik im Master an der LMU München und ist Redakteurin bei The Buzzard.
Was Sie noch wissen sollten:Schreibt für das Münchner Studentenmagazin „unikat“ und hat bei The Buzzard sowie bei der Sedona Red Rock News in den USA Praktika absolviert.
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