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Wie China in der UNO von Trumps „America First“ profitiert
Wie China in der UNO von Trumps „America First“ profitiert
( Link zum Originalbild | Urheber: Anfaenger | Pixabay | CC0 1.0 )

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

in dieser Woche begann die UN-Vollversammlung in New York mit ihrer Generaldebatte, die noch bis zum 1. Oktober dauert. Die Berichterstattung dazu bestimmte – beinahe erwartbar – US-Präsident Donald Trump. Unzählige Medien berichteten über seine Rede (eine von Experten kommentierte Version des Redetextes findet sich hier), oder genauer gesagt über die Reaktion der Zuhörer: Im Saal war Gelächter zu hören, als Trump die Errungenschaften seiner bisherigen Amtszeit anpries. Auch seine Verteidigung eines „America First“-Ansatzes zog einige Beachtung auf sich. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, dessen Rede Beobachter als selbstbewusste Replik auf Trumps isolationistische Botschaft einstufen, erhielt weniger mediale Aufmerksamkeit.

Wir empfehlen heute einen Text, der bei dieser Entfremdung der westlichen Nationen einen lachenden Dritten identifiziert: die Volksrepublik China. Wie die USA und Frankreich eine von fünf Vetomächten im Weltsicherheitsrat – dem höchsten UN-Gremium –, nutzt die aufstrebende Wirtschaftsmacht die Abkehr der Amerikaner von der multilateralen Bühne, meint Richard Gowan, Senior Fellow am United Nations University Centre for Policy Research in New York. Trumps Absage an das Pariser Klimaabkommen, der Rückzug aus dem UN-Menschenrechtsrat, zuletzt seine Aufkündigung der Zahlungen an das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) – all das lässt die chinesischen Vertreter bei den Vereinten Nationen hellhörig und selbstbewusster werden.

Bildlich erläutert Gowan das so: Während die Kameras auf Trump im Tagungssaal gerichtet sind, arbeiten Chinas Diplomaten in den Besprechungsräumen der UN-Zentrale daran, die Spielregeln der internationalen Ordnung nach ihren Vorstellungen zu verändern. Die Volksrepublik, die zweitgrößter Beitragszahler zum regulären UN-Haushalt ist, bemühe sich in diesem Zusammenhang sowohl um ideologischen als auch ökonomischen Einfluss. Dabei kann China bereits seit der Zeit des Kalten Krieges auf gute Verbindungen zu den Ländern des globalen Südens bauen.

Zwar rechnet Gowan nicht damit, dass China unmittelbar davor ist, den USA ihre Führungsrolle streitig zu machen, erkennt aber eine klare Entwicklung am Sitz des UN-Hauptquartiers in Turtle Bay, Manhattan:

„Diplomats in New York see two major political trends reshaping the organization. The first is the U.S. systematically and loudly distancing itself from U.N. bodies and initiatives it doesn’t like. The second is the focus with which China is gaining power and influence in Turtle Bay.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

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Wer steckt dahinter?

Frank Kaltofen
Kommt aus:Immer Thüringer gewesen, jetzt in Leipzig
Arbeitet für/als:Redakteur in verschiedenen Kontexten
Was Sie noch wissen sollten:Studierter Politikwissenschaftler und jetzt Schreiberling. Interessiert an Menschen und ihren Geschichten. Schreibt seit 2007, am liebsten über Kulturelles & Zeitgeschichtliches.
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