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Vegan ist keine Lösung
Vegan ist keine Lösung
( Link zum Originalbild | Urheber: Rustic Vegan | Unsplash | CC0 Public Domain )

Das Argument in Kürze:

Sollten wir ein schlechtes Gewissen haben, wenn wir nicht vegan leben? Die Köchin Sarah Wiener findet, dass das nicht ganz so einfach ist. Nur weil man sich vegan ernährt, könne man nicht automatisch ein gutes Gewissen haben. Denn vegane Fertigprodukte seien genauso schädlich für die Umwelt wie konventionell produzierte tierische Produkte. Vegan leben alleine sei also keine Läsung – viel wichtiger sei, regionale und ökologische Produkte zu konsumieren.

Das eigentliche Problem ist die Nahrungsmittelindustrie

Wiener sagt es ganz deutlich: Wir essen zu viel Fleisch. Das sei ein Problem, weil Fleisch überwiegend aus Massentierhaltung stamme und die Produktion der Umwelt schade sowie die weltweite Ernährungsungerechtigkeit weiter verschlimmere. Für unseren Fleischhunger würden vor allem ärmere Länder bezahlen, auf deren Agrarflächen Futtermittel für Schlachttiere angebaut werde statt Nahrung für Menschen.

Aber der Verzicht auf tierische Produkte allein könne diese Probleme nicht lösen: „Vegan zu leben fördert weder die Nachfrage nach Produkten aus einer anständigen Tierhaltung noch die nach natürlichen, ökologisch erzeugten Lebensmitteln aus der eigenen Region. Im Gegenteil: Auch vegane Industrieprodukte lassen Böden erodieren, versauen das Klima und vergiften das Wasser. Das System, in dem sie entstehen, ist ebenso grundlegend falsch wie das System der Fleischproduktion.“

Das eigentliche Problem sei also nicht, dass wir tierische Produkte konsumieren, sondern die Art, wie Lebensmittel insgesamt hergestellt werden – egal ob tierisch oder vegan.

Der Vegan-Trend werde von der Industrie ausgenutzt, um noch mehr verarbeitete Lebensmittel zu höheren Preisen zu verkaufen. Deshalb schlägt Wiener vor: Statt vegan zu leben sollten wir lieber auf verarbeitete, konventionelle Produkte verzichten. Wer ein gutes Gewissen haben möchte, der solle selbst zu kochen, dabei natürliche, ökologische Zutaten verwenden und regional und saisonal einkaufen.

„Es fängt schon bei einer schlichten Sojamilch an. Kochen und drücken Sie Sojabohnen einmal aus – die Brühe ist kaum trinkbar, die möchte sich niemand in seine Latte Macchiato kippen. Die Sojamilch, die heute in jedem Supermarkt steht, ist ein hochverarbeitetes Industrie-Produkt – und in etwa so künstlich wie eine Cola.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Stephanie Berens

Weitere Lesetipps von The Buzzard:

  • Ein ähnliches Argument liefert dieser Beitrag der NEUEN ZÜRICHER ZEITUNG: „Statt unsere Essgewohnheiten nachhaltig infrage zu stellen, stärkt dieser Veganismus eine Ernährungsindustrie, welche die Menschen vom agrarischen Wirtschaften entfremdet, indem sie Nahrung künstlich herstellt, ohne dies kenntlich zu machen.“
  • In unserer Debatte „Müssen wir verzichten lernen?“ vom Dezember 2017 haben wir einen Beitrag des Sozialwissenschaftlers und Landwirts Klaus Alfs empfohlen, in der argumentiert, dass es keine echten Veganer gibt.
  • Sarah Wiener belegt ihre Aussage, dass vegane Produkte genauso schädlich für die Umwelt sein können wie tierische, leider nicht mit Zahlen und Fakten. Wissenschaftliche Studien wie diese belegen jedoch, dass es nicht gut wäre, wenn alle Anbauflächen für vegane Lebensmittel verwendet werden. Eine Zusammenfassung der Studie gibt es bei QUARTZ: „Wenn sich die Weltbevölkerung vegan ernähren würde, würden wir Anbauflächen verschwenden, die ansonsten benutzt werden könnten, um mehr Menschen zu ernähren. Denn wir benutzen verschiedene Arten von Landfläche um verschiedene Arten von Nahrung zu produzieren, und nicht alle Ernährungsweisen nutzen diese Arten von Landfläche gleichermaßen.“

Wer steckt dahinter?

Sarah Wiener
Kommt aus:Wien
Arbeitet für/als:Köchin, Unternehmerin, Buchautorin
Was Sie noch wissen sollten:Wiener ist eine bekannte TV-Köchin, schreibt öfter Gastbeiträge für verschiedene Zeitungen, leitet ein Cateringunternehmen sowie ein Bio-Restaurant in Berlin. Auf ihrer Webseite heißt es: „Öffentlich tritt sie für die Erhaltung unserer natürlichen Lebensgrundlagen ein sowie für ein ethisch-ökologisches Ernährungsbewusstsein in unserer Gesellschaft.“
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