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Die Panik vor einer neuen Finanzkrise ist übertrieben
Die Panik vor einer neuen Finanzkrise ist übertrieben

Das Argument in Kürze:

Der Schweizer Ökonom Christian Gattiker hält die alarmierten Kommentare von Wirtschaftsexperten und Journalisten für Panikmache. Selbstverständlich werde es auch in Zukunft Wirtschaftskrisen geben. Aber eine Krise, die vergleichbar wäre mit 2008, sei in naher Zukunft sehr unwahrscheinlich.

Vor 2025 wird es nicht zu einer nächsten großen Krise kommen

Wer in die Zukunft schauen will, muss die Vergangenheit kennen, betont Gattiker. Und deshalb stützt er sein Argument auf die Geschichte der Finanzkrisen seit dem Zweiten Weltkrieg. Er zeigt in einer Grafik, wann die Märkte in den vergangenen 70 Jahren ruhig waren, wann unstet und wann es zu Einstürzen, Krisen und Neuanfang kam.

Er schließt daraus:

  • Kleinere Finanzkrisen sind nichts Ungewöhnliches. Sie fallen im Schnitt alle dreieinhalb Jahre an.
  • Große Finanzkrisen, die eine ganze Generation prägen, so wie die Krise 2008, passieren allerdings nur rund alle zwanzig Jahre.
  • Je ruhiger die Märkte, desto länger dauert es, bis ein Schock die Märkte in eine Krise stürzen kann.
  • Finanzkrisen sind in der Vergangenheit in Kombinationen mit besonderen Phänomenen aufgetreten: Übertrieben hohe Investments in spezielle Nischen, neue Erfindungen, die auf den Finanzmarkt drängen, ein Immobilien-Boom und Phasen extremer Marktliberalisierung. Bei großen Finanzkrisen wie 2008 traten alle fünf Phänomene gleichzeitig auf.

Je höher die Kurve auf Gattikers Grafik ausschlägt, desto unsteter die Märkte, desto schlimmer die Krisen. Momentan sieht es relativ ruhig aus. Wenn keine starken externen Schocks die Märkte treffen (wie beispielsweise eine abrupte Veränderung der Rohstoffpreise oder gewaltige technische Neuerungen) sei es daher unwahrscheinlich, dass es schon bald zu einer weiteren Krise komme. Es würde nicht dem „natürlichen Rhythmus“ entsprechen, schreibt Gattiker. Darüber seien die fünf Phänomene, die Finanzkrisen in der Vergangenheit ausgelöst haben, momentan nicht zu finden. Sein Fazit:

„Wenn wir die natürliche Entwicklung der Märkte anschauen und die Häufigkeit, mit der Finanzkrisen im Durchschnitt auftreten, ebenso wie die sehr geringe Votalität der Märkte zurzeit, können wir davon ausgehen, dass die nächste kleinere Krise nicht vor 2019 kommen wird und eine große Krise, die eine ganze Generation schockt, nicht vor 2025 (rund 18 Jahre nach der großen Krise 2008).“

Der Beitrag wird empfohlen von: Dario Nassal.

 

Weitere Lesetipps von The Buzzard:

Gattiker ist nicht der einzige Ökonom, der vor überstürzter Panik warnt.

  • Dass auch einige internationale Finanzberater finden, Krisenalarm ist fehl am Platz, zeigt dieser Nachrichten-Beitrag im Fernsehsender CNBC.
  • Auch Deutsche-Bank-Vorstandsmitglied Sylvie Matherat hält es für unwahrscheinlich, dass sich so etwas wie die Krise 2008 bald wiederholen wird, nachzulesen in der FAZ.

Wer steckt dahinter?

Christian Gattiker
Kommt aus:Zürich, Schweiz
Arbeitet für/als:Gattiker führt die Forschungsabteilung bei der Bank Julius Bär seit August 2006.
Was Sie noch wissen sollten:Gattiker hat angewandte Volkswirtschaftslehre an der Universität Bern studiert und eine zertifizierte Ausbildung als Finanzanalyst.
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