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Die Finanzkrise von 2008 wird sich schon sehr bald wiederholen
Die Finanzkrise von 2008 wird sich schon sehr bald wiederholen

Das Argument in Kürze:

Der amerikanische Finanzberater John Mauldin ist der Meinung: Die nächste Weltwirtschaftskrise wird kommen. Und zwar bald. Staaten und Unternehmen machen weltweit zu viel Schulden, die längst nicht mehr durch Wirtschaftswachstum ausgeglichen oder gedeckt werden können. Bald werde das dazu führen, dass das globale Finanzsystem erneut kollabiert – mit katastrophalen Folgen, auch für die USA und Europa.

Der Zug lässt sich nicht mehr stoppen

Mauldin vergleicht das weltweite Schuldenmachen mit einem Zug, der außer Kontrolle geraten ist. Der Zug rollt so schnell, dass er sich nicht mehr stoppen lässt. Er springt aus den Gleisen und stürzt in den Abgrund. „The debt train will crash“, ist sogleich Fazit und Titel von Mauldins düsterer Prognose.

Mauldin gilt in den USA als gefragter Finanzberater. Viele Menschen nehmen seine Analysen sehr ernst. Mauldin hat New York Times Bestseller veröffentlicht, gibt regelmäßig Interviews im Fernsehen, sein Newsletter wird nach eigenen Angaben von einer Millionen Menschen am Tag gelesen. Und in diesem Newsletter schlägt Mauldin seit Monaten Alarm. Weil er fest davon überzeugt ist, dass es sehr bald schon so schlimm kommen könnte wie 2008. Wenn nicht noch schlimmer.

Was stimmt Mauldin so pessimistisch? Das Hauptproblem sei der weltweite Schuldenberg, schreibt er. Laut der Beratungsfirma McKinsey betragen die Schulden weltweit rund 169 Trilliarden US Dollar. Rund 43 Prozent sind Schulden von Staaten; 41 Prozent Schulden von Unternehmen, die nicht im Finanzsektor tätig sind. Beide, Staaten und Unternehmen, werden deshalb sehr bald ein Problem bekommen, schreibt Mauldin.

Denn die Wirtschaft wächst weltweit nicht annähernd so schnell wie die Schulden. Für eine Zeit ist das in Ordnung, irgendwann führt das aber zum Crash, meint er.

Für Europa und auch für Deutschland könnte es düster werden

Mauldin beschreibt den Prozess so: Irgendetwas, zum Beispiel teure Anleihen, werden in naher Zukunft dazu führen, dass es zu Liquiditätskrisen kommt. Das heißt Situationen, in denen einzelne Unternehmen zahlungsunfähig werden und ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen. Diese Liquiditätskrisen können sich in einem ohnehin instabilen Finanzsystem rasend schnell verbreiten, schreibt Mauldin. Wenn dann immer weniger Kredite zurückgezahlt werden, sehen sich die Banken gezwungen, weniger Kredite zu vergeben. Das führt dazu, dass Unternehmen immer weniger Kapital haben. Dadurch sinken die Löhne und das Wirtschaftswachstum schrumpft, es kommt zur nächsten Krise.

Dann werde es ähnlich sein wie 2008: Arbeitgeber sehen sich gezwungen, Stellen zu kürzen und Jobs durch Automatisierung zu ersetzen. Das wiederum führt dazu, dass Wähler unzufrieden werden und von ihren Regierungen höhere Sozialausgaben erwarten. Dadurch steigen die Schulden der ohnehin schon überschuldeten Staaten ins Unermessliche. Die einzig mögliche Lösung: Schuldenschnitt. Und bei einem Schuldenschnitt werde es viele Verlierer geben, meint Mauldin.

Auch für Deutschlands Zukunft sieht Mauldin schwarz: Deutschland werde immer größere Problemen haben, Sozialausgaben zu decken, weil immer mehr alte Menschen das Rentensystem belasten und immer weniger junge nachkommen und das Wirtschaftswachstum diesen Bedarf nicht decken kann. Die Schulden würden unkontrollierbar. Auch das Finanzsystem der EU werde implodieren. Mauldin schreibt:

„Italien ist nicht das einzige Problem. Ein riesiges Problem ist Deutschland. Deutschland vergibt seit Jahren günstige Anleihen und Kredite auf dem ganzen Kontinent, um den Kauf von deutschen Produkten zu fördern. Das Ergebnis: Ein riesiger Handelsüberschuss für Deutschland und gigantische unbezahlbare Schulden für alle in Europa, die deutsche Produkte gekauft haben.“  

Der Beitrag wird empfohlen von: Dario Nassal.

 

Weitere Lesetipps von The Buzzard:

Mauldin ist mit seiner Warnung nicht allein. Zahlreiche führende Ökonomen sind der Meinung, dass die Krise von 2008 sich bald wiederholen könnte:

  • Hier lässt sich nachlesen, warum der Starökonom Paul Krugman besorgt ist.
  • Hier ein Statement der Harvard-Professorin Carmen Reinhart.

Wer steckt dahinter?

John Mauldin
Kommt aus:Dallas, Texas, USA
Politische Position:Warnt in vielen seiner Veröffentlichungen vor der nächsten weltweiten Finanzkrise.
Arbeitet für/als:Mauldin ist ein angesehener amerikanischer Ökonom. Er hat zahlreiche Bücher veröffentlicht, betreibt den Finanz-Blog Thoughts from the Frontline und leitet die Forschungsgruppe Mauldin Research. Zusätzlich ist er Vorsitzender der Investment Beratungsfirma Millennium Wave Advisors, LLC.
Was Sie noch wissen sollten:Mauldin erreicht mit seinen Thesen und Prognosen ein Massenpublikum in den USA. Auf seinem Blog hat der Autor nach eigenen Angaben mehr als eine Million Newsletter Abonnenten, seine Bücher werden in den New York Times Bestseller Listen geführt und er gibt regelmäßig Fernsehauftritte bei CNBC und Bloomberg TV.
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Ein Gedanke zu “Die Finanzkrise von 2008 wird sich schon sehr bald wiederholen

  1. Liebes The Buzzard Team,

    wie kommt ihr zu dem Schluss „Mauldin [sei] ein angesehener amerikanischer Ökonom“?

    Ich kannte ihn als Ökonomen (Wissenschaftler ) nicht und war neugierig, kann zu dem Mann aber in einschlägigen Portalen (ideas / Google scholar) nirgends finden.

    Stattdessen verkauft Herr Mauldin scheinbar vorrangig Investment Tipps, die auch auf den zweiten Blick alle höchst fragwürdig scheinen. Die Ähnlichkeit seiner Webseite https://www.mauldineconomics.com/ zu der z.B. von Dirk Müller https://www.cashkurs.com/ oder Angebote des Gevestor Verlags https://aktionaer-report.de/die-7-durchstarter-aktien-2018.html scheinen da nicht ganz zufällig.

    Ich bitte doch für solch wichtigen Diskussionen wirklich angesehene Ökonomen zu Rate zu ziehen, und keine Blender die vor allem versuchen ihre Aktien-Tipps mit Verschwörungen und Weltuntergangs-Szenarien zu verkaufen. Danke.

    Martin

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