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Deshalb könnte Trump Auslöser der nächsten globalen Finanzkrise sein
Deshalb könnte Trump Auslöser der nächsten globalen Finanzkrise sein

Das Argument in Kürze:

Falls es bald erneut zu einer globalen Finanzkrise kommt, dann liegt das unter anderem daran, dass Donald Trump Präsident der USA ist. Davon ist die Buchautorin und Journalistin Nomi Prins überzeugt. Als Grund führt sie in ihrem Beitrag auf OPEN DEMOCRACY Trumps Personalentscheidungen an: In Washington sitzen viele Männer, die sehr von der mangelnden Regulierung des Bankensektors in der Vergangenheit profitiert hätten. Und viele von ihnen haben großen Einfluss darauf, wie Trump regiert.

Den Bock zum Gärtner gemacht

Es gibt einige Gründe, warum Kommentatoren meinen, Trump gefährde die Stabilität der Weltwirtschaft. Viele warnen beispielsweise vor Trumps Neigung zu unbedachten Äußerungen, seinen unberechenbaren Tweets und seinem Hang, Abkommen und Partnerschaften aufzukündigen. Für Nomi Prins ist jedoch nicht der Präsident selbst der entscheidende Faktor, sondern seine Personalentscheidungen im Bereich der Wirtschafts- und Finanzpolitik.

Prins, die früher selbst u.a. für Lehman Brothers als Beraterin tätig war, beklagt die mangelnde Regulierung des Bankensektors, wobei hier auch die Demokraten und der frühere Präsident Barack Obama zu wenig unternommen hätten. Doch unter Trump erreiche das Mantra der Deregulierung bislang ungekannten Einfluss: Viele leitende Positionen – etwa im Finanzministerium, bei der US-Notenbank Federal Reserve (kurz Fed) oder bei anderen staatlichen Kontrollbehörden – seien mit ehemaligen Führungskräften von Wall Street-Großbanken besetzt worden. Jene Männer, die finanziell von der laxen staatlichen Aufsicht profitiert haben, sollen nun unter Trump ausgerechnet das System beaufsichtigen und zügeln. Ein System, das sie selbst ausgenutzt haben. Als Paradebeispiel schildert Prins den Werdegang des derzeitigen Finanzministers Steven Mnuchin, doch auch andere Personalien beleuchtet sie detailliert.

Was Prins jedoch unerwähnt lässt: Jerome Powell, der unter Trump zum Präsidenten der Federal Reserve aufstieg, war bereits von Barack Obama in den Gouverneursrat der Fed berufen worden. Auch ist es keineswegs unüblich, Spitzenpositionen mit Personen zu besetzen, die eine ähnliche Weltanschauung vertreten oder auch einen ähnlichen gesellschaftlichen Hintergrund wie der Regierungschef haben. Die Journalistin macht in ihrem Text jedenfalls keinen Hehl aus ihrer Abneigung gegenüber Wall Street-Managern und zeigt sich abschließend besorgt: Historisch gesehen seien es Phasen mit solch mangelnder Aufsicht des Finanzwesens, die großen Wirtschaftskrisen vorausgingen:

„Nearly every regulatory institution in Trumpville tasked with monitoring the financial system is now run by someone who once profited from bending or breaking its rules. Historically, severe financial crises tend to erupt after periods of lax oversight and loose banking regulations. By filling America’s key institutions with representatives of just such negligence, Trump has effectively hired a team of financial arsonists.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Frank Kaltofen

 

Weitere Lesetipps von The Buzzard:

  • Der Wirtschaftsnobelpreisträger Paul Krugman hatte kurz nach Trumps Wahlsieg in seiner Kolumne für die NEW YORK TIMES einen wirtschaftlichen Niedergang der USA prophezeit. Für diese langfristige Prognose war er – nicht nur von Trump selbst – kritisiert worden.
  • In einer aktuellen Kolumne für die WIRTSCHAFTSWOCHE sieht der Unternehmensberater Daniel Stelter die USA unter Trump „weit vor Europa, wenn es darum geht, die Folgen der Finanzkrise zu überwinden“. Er mahnt aber dennoch aufgrund mehrerer Faktoren zur Vorsicht: Der aktuelle Boom könne schnell zu Ende gehen.

Wer steckt dahinter?

Nomi Prins
Arbeitet für/als:Autorin und Journalistin, die vor allem zu Wall Street- und Finanzthemen arbeitet
Was Sie noch wissen sollten:Bekanntheit erlangte Prins in den USA u.a. durch ihr Buch „All the Presidents' Bankers: The Hidden Alliances That Drive American Power“ (2014). Sie arbeitete früher u.a. für Wallstreet-Firmen wie Goldman-Sachs und Lehman Brothers. Die gefragte Kommentatorin für Rundfunk- und Printmedien twittert unter @nomiprins.
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