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Nationalismus per se ist nicht verwerflich
Nationalismus per se ist nicht verwerflich

Das Argument in Kürze:

Im Interview mit der Washington Post erläutert Andreas Wimmer, Professor für politische Philosophie an der Columbia Universität, dass es Nationalismus in verschiedensten Ausprägungen gibt. Nicht nur im Zusammenspiel mit rechten oder faschistischen Tendenzen trete er auf, sondern auch in sozialen oder linken Bewegungen. Wimmer führt aus, dass eine erhöhte nationale Identifikation auch positive Auswirkungen haben kann: mehr kollektive Solidarität, mehr Arbeit für das Gemeinwohl, mehr Steuereinnahmen, die der Staat leichter umverteilen kann.

Es kommt darauf an, ob alle Bevölkerungsgruppen einbezogen werden

Andreas Wimmer hat untersucht, in welchen Ländern nationalistische Konflikte zur endgültigen Spaltung geführt haben und wo sie überwunden werden konnten. Entscheidend für einen gesunden nationalen Zusammenhalt ist, argumentiert er, dass alle Bevölkerungsgruppen in hohen Regierungsämtern vertreten sind. Er nennt das politische Inklusion. Deren wichtigste Folge: eine positive nationale Identifikation.

Ob die aber gelingt, hängt, so der Professor, von drei Faktoren ab. Erstens: Kann der Staat öffentliche Güter bereitstellen? Infrastruktur zum Beispiel, aber auch Schutz vor willkürlicher Gewalt? Zweitens: Gibt es eine starke Zivilgesellschaft und eine Vielzahl an freiwilligen Organisationen, auf die sich der Staat verlassen kann? Drittens: Funktioniert die Kommunikation, das heißt, gibt es eine gemeinsame Sprache?

Wimmers Analyse bezieht sich nicht explizit auf Deutschland, er hat für seine Recherche verschiedene Staaten miteinander verglichen. Dennoch lassen sich die Argumente auf Deutschland anwenden. Zweimal betont der Professor, dass die von ihm beschriebenen Zusammenhänge sich nur langsam und über große Zeiträume hinweg entfalten.

„It’s important to recover some of the positive consequences of national identification. National identities can encourage collective solidarity and lead people to work for a shared common good. Governments supported by a strong national identification can redistribute resources and build welfare states more easily. Citizens in these countries are less resistant to paying taxes.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Maurus Jacobs

 

 

Wer steckt dahinter?

Andreas Wimmer
Arbeitet für/als:Wimmer ist seit 2015 Professor für Soziologie und politische Philosophie an der Columbia Universität.
Was Sie noch wissen sollten:Er studierte Sozialanthropologie in Zürich, wo er 1992 seinen Doktor machte. 2018 erschien sein neuestes Buch: „Nation Building: Why Some Countries Come Together While Others Fall Apart“.
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