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Der Westen lässt Saudi-Arabien im Jemen freie Hand – mit fatalen Folgen
Der Westen lässt Saudi-Arabien im Jemen freie Hand – mit fatalen Folgen

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

in Idlib könnte es zur größten humanitären Katastrophe des 21. Jahrhunderts kommen, warnen die UN. In der von Rebellen kontrollierten Region im Nordwesten Syriens leben geschätzt drei Millionen Zivilisten, eine Million davon Kinder. Jetzt droht eine Militäroffensive vonseiten Assads, Russlands und des Irans. Doch während westliche Politiker diese Offensive verurteilen und sich um Schlichtung bemühen, lassen sie Saudi-Arabien im Jemen freie Hand, argumentiert der Journalist Florian Rötzer.

Er kritisiert dieses Verhalten auf Telepolis als Doppelmoral. Der Westen, allen voran die USA und Großbritannien, lasse zu und unterstütze sogar, dass die von Saudi-Arabien geführte Koalition im Jemen Massaker anrichte. Rötzer bezieht sich auf einen Vorfall Anfang August, als bei einem Bombenangriff ein Schulbus getroffen wurde und 40 Kinder starben. Saudi-Arabien behauptete, der Bus habe Huthi-Kämpfer befördert, Human Rights Watch widersprach. Dann stellte sich heraus, dass die tödliche Bombe eine amerikanische war.

Noch unter Obama lieferten die Amerikaner keine Waffen an die Saudis, erläutert Rötzer, seit 2017 tun sie es wieder. Bislang hat einzig Spanien angekündigt, Saudi-Arabien keine Waffen mehr zu verkaufen.

Der Journalist argumentiert, dass die Empörung im Westen immens gewesen wäre, hätten russische oder syrische Flugzeug ein ähnliches Massaker angerichtet wie die Saudis. In der Berichterstattung werde ein doppelter Maßstab angelegt. Saudi-Arabien könne derweil auch im Inneren die Repressionen erhöhen: Bürger- und Frauenrechtler würden verfolgt; ein neues Gesetz belege Online-Satire mit drakonischen Strafen.

„Der junge Kronprinz Mohammed bin Salman setzt auf die harte Hand, um das rückwärts gewandte theokratische Regime bei aller technischen Modernisierung zu verteidigen. Und er kann das mit der Duldung der westlichen Staatengemeinschaft machen, die ihre angeblichen Werte nur dort kraftvoll zur Geltung bringt, wo es ihr geopolitisch und wirtschaftlich nicht schadet.“

 

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Wer steckt dahinter?

Maurus Jacobs
Kommt aus:Geboren in Kalifornien, aufgewachsen bei Hamburg, jetzt in Leipzig
Politische Position:Hat großes Interesse, komplexe Debatten in ihrer Vielfalt, aber übersichtlich darzustellen
Arbeitet für/als:Arbeitet für eine Hamburger Medienagentur
Was Sie noch wissen sollten:Maurus hat in Hamburg für die Bergedorfer Zeitung und Die Welt geschrieben. Er studiert am Deutschen Literaturinstitut.
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