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Sieben Regeln für die Kommunikation mit Rechtsextremen
Warum wir mit Rechtsradikalen reden sollten

Das Argument in Kürze:

Mit Rechtsextremisten muss man reden, ganz klar – das findet die Journalistin Nikola Endlich, deren Beitrag wir ebenfalls in dieser Debatte empfehlen. Doch wie stellt man das am besten an? Der Professor und Kommunikationsexperte Bernhard Pörksen hat dafür einige Tipps. Vor allem müssten Gegner des Rechtsextremismus die Abwertungsspirale verlassen, um einen konstruktiven Dialog zu schaffen. 

Wie redet man mit Rechtsradikalen?

Pörksen schlägt sieben Punkte vor, die man bei der Kommunikation mit Rechtsextremisten beachten sollte:

  1. Nicht pauschal stigmatisieren, denn das erzeugt auf der Gegenseite ein Wir-Gefühl, das vorher gar nicht da war.
  2. Je mehr Dialogversuche es gibt, desto besser.
  3. Erkennen, dass auch Dialog nicht immer funktioniert – manchmal sei es besser, das Gespräch abzubrechen. Außerdem müsse man auf Attacke und Schärfe nicht verzichten.
  4. Sachlich und konkret bleiben, nicht emotional werden. Denn Rechtsextreme profitierten von der Aufregung um ihre Provokationen. Sehr gute Vorbereitung und informierte Nachfragen seien wichtig.
  5. Zwischen Anführern und Wählern unterscheiden. Das nicht zu tun, bringe ebenfalls unerwünschte Solidarisierung hervor.
  6. Heikle Themen unbedingt ansprechen. Auch sie müssten Raum in der Debatte einnehmen, damit Rechtsextreme nicht alleine und unkommentiert darüber diskutieren können.
  7. Nicht nur die Angst und Verletzung rechter Gruppen müssten gehört werden – auch die Opfer der rechten Hetze müssten sichtbar werden.

„Denn beides ist nötig, das Gespräch und die Abgrenzung, das Bemühen zu verstehen und die Definition von roten Linien. Wer nur belehren möchte, der begreift nicht. Wer sich nur moralisch aufplustern will, der hört letztlich nur sich selbst, die eigene, dröhnend vorgetragene Überzeugung. Und wer jeden Schwachsinn als wertvollen Dialogbeitrag lobt, der macht womöglich völkisches Denken salonfähig und gibt Rassisten die große Bühne.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Stephanie Berens

 

 

Wer steckt dahinter?

Bernhard Pörksen
Kommt aus:Freiburg
Arbeitet für/als:Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen
Was Sie noch wissen sollten:Pörksens Buch „Die große Gereiztheit. Wege aus der kollektiven Erregung“ erschien Anfang des Jahres. 2008 wurde er von der studentischen Zeitschrift „Unicum“ zum Professor des Jahres gewählt. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die Dynamik der öffentlichen Empörung, Medienskandale sowie Fragen der Medienethik.
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