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Deshalb spielt Merkels Westafrikareise kaum eine Rolle
Deshalb spielt Merkels Westafrikareise kaum eine Rolle
( Link zum Originalbild | Urheber: Rwanda Green Fund | Flickr.com | CC BY-ND 2.0)

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard

Guten Morgen,

vergangene Woche hat Bundeskanzlerin Angela Merkel Senegal, Ghana und Nigeria besucht. Afrikas Wirtschaft stärken, der Jugend bessere Perspektiven bieten und Fluchtursachen minimieren — das waren die Hauptthemen, die Merkel mit ihren Gesprächspartnern erörtert hat. Auf ihrer dreitägigen Westafrikareise wurde die Kanzlerin von einer Wirtschaftsdelegation mit Vertretern unter anderem aus den Bereichen Elektrifizierung, Automatisierung, Digitalisierung und erneuerbaren Energien begleitet. Dies soll u.a. zu dem beim G20-Gipfel in Hamburg unterzeichneten Compact with Africa-Programm beitragen. 

Vor allem die Wirtschaft verspricht sich viel von Merkels Reise. Für die Kanzlerin sei es wichtig, darauf zu achten, dass Wirtschaftsvertreter Deutschlands ihre Chancen auf dem afrikanischen Markt wahrnehmen, schreibt dazu das HANDELSBLATT. Für Ralph Bollmann von der FAZ ist es außerdem ein Zeichen, dass Merkel in den letzten zwei Jahren gelernt hat: In der Afrikapolitik gibt es keine kurzfristigen Lösungen. Deswegen gehe es jetzt mehr darum, die klassische Entwicklungshilfe mit Gebern und Empfängern stärker durch eine wirtschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe zu ersetzen. 

Leiter von Afrika-Programmen der DW Claus Stäcker sieht Merkels Reise wiederum sehr skeptisch: Der Fokus der Reise wirft mehr Fragen zur deutschen Afrikapolitik als Antworten auf. Von 400.000 im Ausland tätigen deutschen Unternehmen sind gerade mal 1.000 in Afrika engagiert. Obwohl die Kanzlerin zu Recht für deutsche Investitionen werbe, könne sie letztendlich niemanden dazu verpflichten. Das bekomme nur China hin, das in Afrika kräftig investiert und fast täglich durch neue große Projekte von sich reden macht. Das sogenannte deutsche „Afrika-Jahr 2017“ habe jede Menge Eckpunktepapiere und Leitlinien hervorgebracht. Doch im Umgang mit Afrika brauche es keine neuen Papiere, sondern einen Paradigmenwechsel im Kopf. 

„Deutschland muss nicht als Oberlehrer auftreten, seine Partner aber nach klar kommunizierten Maßstäben aussuchen. Es sollte sein Helfersyndrom ablegen und auf Kollegenmodus schalten. Statt eines verkappten Afrikaministers im Entwicklungsministerium und konkurrierenden Stabsstellen in drei Ministerien sollte es einen wirkmächtigen Koordinator im Kanzleramt geben.”

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Olga Osintseva
Kommt aus:Russland
Politische Position:Bezeichnet sich selbst als mitte-links
Arbeitet für/als:Arbeitet als Redakteurin bei The Buzzard und als Event- und Community-Managerin beim Strascheg Center For Enterpreneurship in München
Was Sie noch wissen sollten:Osintseva hat 2015 ihren Master in Politikwissenschaft an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg abgeschlossen. Sie kommt aus Russland und lebt mittlerweile seit vier Jahren in Deutschland.
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