Sachsen ist ein Eldorado für Rechtsextreme
Sachsen ist ein Eldorado für Rechtsextreme

Das Argument in Kürze:

Nach Meinung des sächsischen Rechtsextremismus-Referenten Michael Nattke hat Sachsen ein strukturelles Problem mit Rechtsextremismus, das nicht so schnell behoben werden kann. Insbesondere in Chemnitz sei die rechte Szene sehr gut vernetzt, sagt er im Interview mit rbb-Info. Diese habe ihre Wurzeln in der seit mehr als 20 Jahren aktiven Hooligan-Szene, die sich schon früh mit nationalsozialistischem Gedankengut identifizierte und brüstete. Dass die rechtsextremen NSU-Terroristen hier abtauchen konnten, sei ebendiesen rechten Seilschaften zu verdanken.

Nattkes Forderung: Bessere Bildung gegen rechtes Gedankengut

Nattke betont, dass der Wegzug der Jugend in den Nachwendejahren zum Verlust kultureller Institutionen geführt habe – eine Lücke, die rechtsextreme Gruppen damals geschickt für sich zu nutzen verstanden. So konnte seit den 90er Jahren in Sachsen eine starke rechte Szene erwachsen, die laut Nattke jederzeit wiederbelebt und nicht mehr so schnell eingedämmt werden kann.

In der Pflicht sieht er vor allem die Politik, die das Erstarken rechtsnationalen Gedankenguts in Sachsen über Jahre hinweg zu wenig ernst genommen habe. Sie dürfe nicht auf freiwilliges Engagement setzen, sondern müsse die Demokratie stärken – am besten durch eine bessere Demokratieerziehung in den Schulen, die Schülern echte Mitbestimmung ermögliche. Andernfalls werde Sachsen immer weiter nach rechts driften.

„Das Problem wurde von den politischen Autoritäten lange Zeit geleugnet oder heruntergespielt. Ein wirkliches Erwachen bei den politisch Verantwortlichen gab es eigentlich erst 2015/16 zu Zeiten von Heidenau und Freital.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Andrea Eibl.

Wer steckt dahinter?

Michael Nattke
Kommt aus:Dresden
Politische Position:Fachreferent im Kulturbüro Sachsen mit Fachgebiet Rechtsextremismus
Was Sie noch wissen sollten:Nattke war in seiner Jugend jahrelang selbst in rechtsextremen Gruppen aktiv. Nach seinem Bruch mit der Neonazi-Szene und einem Studium der Wirtschaftspädagogik mit den Nebenfächern Politikwissenschaft und Soziologie, setzte er sich wissenschaftlich mit der rechten Szene auseinander.
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