Der Westen darf den Osten nicht unter Generalverdacht stellen
Der Westen darf den Osten nicht unter Generalverdacht stellen

Das Argument in Kürze:

Deutschland sei immer noch geteilt, schreibt Marc Felix Serrao in der Neuen Zürcher Zeitung. Im Osten des Landes sei Fremdenfeindlichkeit ein Problem, trotzdem dürfe man die neuen Bundesländer nicht unter Generalverdacht stellen. Nach der Bundestagswahl im vergangenen Jahr attestierte Serrao dem Westen eine „herablassende Haltung“.

Es gibt nicht „die Ostdeutschen“

Vor allem kritisiert Serrao die Berichterstattung westdeutscher Medien: Die hätten nach der Bundestagswahl oftmals pauschalisiert. Es gebe aber nicht „die Ostdeutschen“, und wer nicht die AfD gewählt habe, solle auch nicht beschuldigt werden.

Als Beispiel für die Pauschalisierungen nennt Serrao einen Titel in der Frankfurter Rundschau. Über das Wahlergebnis in Sachsen hieß es dort: „Ein ganzes Bundesland wählt rechts“. Die Hamburger Morgenpost hatte nach der Wahl geschrieben: „Die Mauer ist wieder da!“. Zwar hätten die ostdeutschen Medien ebenfalls kritisch über den Ausgang der Wahl geschrieben. Im Gegensatz zur Berichterstattung in den alten Bundesländern seien die Nicht-AfD-Wähler dabei allerdings außen vor gelassen worden.

Vor allem ärgert sich der Autor über den Journalisten Hasnain Kazim, Autor beim Spiegel. Der hatte nach der Wahl getwittert: „Höre, ich solle Ostdeutsche ‚ernst nehmen‘. Ihr kamt 1990 mit dem Trabbi angeknattert und wählt heute AfD – wie soll ich euch ernst nehmen?“. Genauso solche Pauschalisierungen dürften Journalisten nicht veröffentlichen, schreibt Serrao – auch wenn Kazim aus persönlicher Erfahrung sprach und später zugegeben hatte, er hätte sich nur an die AfD-Wähler aus Ostdeutschland wenden sollen.

Trotz allem sei klar, so Serrao, dass die AfD im Osten stärker abgeschnitten habe als im Westen. Rassismus sei hier durchaus ein Problem. Um das zu bekämpfen, brauche der Osten die Unterstützung des Westens – ein Anfang sei, die Menschen im Osten weniger herablassend zu behandeln.

„Dass Fremdenfeindlichkeit im deutschen Osten ein Problem ist, wird niemand anzweifeln, der sich dort schon einmal längere Zeit aufgehalten hat. Und dass ein Deutscher, dem man die fremde Herkunft seiner Eltern ansieht, erschreckende Erfahrungen mit Rassismus gemacht haben kann, steht völlig ausser Zweifel. Kazims Wut ist nachvollziehbar. Seine Generalisierungen sind dennoch falsch und ärgerlich.“

Der Beitrag wird empfohlen von: Nadja Tausche.

Wer steckt dahinter?

Marc Felix Serrao
Kommt aus:Hannover
Politische Position:leitender Redakteur im Berliner Büro der Neuen Zürcher Zeitung
Was Sie noch wissen sollten:Serrao ist Diplom-Politologe und hat einen MBA am Kellog School of Management gemacht. Er war freier Mitarbeiter unter anderem beim Tagesspiegel und der Welt am Sonntag, hat bei der SZ volontiert und dort bis 2016 als Medienredakteur gearbeitet. Nach einem Ausflug zur FAS ist er seit Juli 2017 für die NZZ tätig
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