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Deshalb sind die Proteste in Chemnitz so schnell in rassistische Gewalt ausgeartet
Deshalb sind die Proteste in Chemnitz so schnell in rassistische Gewalt ausgeartet
Link zum Originalbild | Urheber: michimaya | Flickr.com | CC BY-SA 2.0

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

Chemnitz ist selten bundesweit in den Schlagzeilen – und wenn doch, ist es meist nichts Positives. So war es auch gestern und am Sonntag. In der Nacht von Samstag auf Sonntag, so schreibt es die Polizeidirektion Chemnitz, gab es eine Auseinandersetzung zwischen mehreren Personen verschiedener Nationalitäten. Danach wurden drei Personen ins Krankenhaus eingeliefert, eine von ihnen starb später. Im Internet kursierten Gerüchte, dass die verletzten Männer eine Frau davor haben schützen wollen, belästigt zu werden. Die Polizei wies das zurück und appellierte per Twitter, sich nicht an Spekulationen zu beteiligen. Es gebe keine Anhaltspunkte, dass der Auseinandersetzung eine Belästigung vorausgegangen sein.

Dennoch gab es in Chemnitz am Sonntag unangemeldete Demonstrationen. Organisiert hatte sie die rechte Hooligan-Gruppe „Kaotic Chemnitz“. In einem mittlerweile gelöschten Facebook-Post schrieb die Gruppe „Lasst uns zusammen zeigen wer in der Stadt das sagen hat !“ [sic!]. Auch AfD-Politiker hatten zur Teilnahme an den Demonstrationen aufgerufen, etwa 800 bis 1000 Personen kamen, darunter auch viele Rechtsextreme. Einige Demonstranten spalteten sich ab, lieferten sich Schlägereien mit der überforderten Polizei, machten regelrecht Jagd auf migrantisch aussehende Personen. Gestern zeigten mehrere der Demonstranten den Hitlergruß, auch direkt vor den Augen der Polizei.

Das Fußballmagazin ELF FREUNDE hat deswegen in einem sehr aktuellen Text die rechten Wurzeln der Chemnitzer Fußballszene analysiert. So gibt es seit 2004 in der Chemnitzer Kurve die „NS-Boys“ – das Kürzel NS solle dabei offiziell für „New Society“ stehen. Doch die Gruppe ist bekannt für die Teilnahme an rechten Aufmärschen, auf Facebook ist ihr Titelbild ein Schal mit dem Logo der Gruppe, ein Hitlerjunge von einem Propagandaplakat aus dem Jahr 1933, und dem Schriftzug „Good Night Left Side“. ELF FREUNDE schreibt auch, dass die Hooligan-Gruppe „Kaotic Chemnitz“, die die Demonstrationen organisiert hat, vom sächsischen Innenministerium als rechtsextrem eingeschätzt wird.

Auf den Tag genau 26 Jahre nach dem Ende der ausländerfeindlichen Pogrome in Rostock Lichtenhagen ziehen also rechtsradikale Hooligans und Ultras durch Chemnitz. Auch damals beteiligten sich Hooligans an den Ausschreitungen.“

Hier entlang zum Originalbeitrag.

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. In unserem Archiv finden Sie darüber hinaus Debattenübersichten zu den wichtigen politischen Themen unserer Zeit.

Wer steckt dahinter?

Alisa Sonntag
Kommt aus:Ursprünglich aus dem Raum Chemnitz, aktuell in Leipzig.
Politische Position:Arbeitet bei THE BUZZARD, weil sie möglichst viele Menschen ermutigen möchte, die eigene Filterblase ab und an mal zu verlassen.
Arbeitet für/als:Studiert in Halle an der Saale "Multimedia und Autorschaft" und "International Area Studies" im Master. Arbeitet unter anderem für The Buzzard, die Mitteldeutsche Zeitung und die Freie Presse Chemnitz als freie Journalistin.
Was Sie noch wissen sollten:Hat ihr Bachelorstudium in Politik- und Kommunikationswissenschaften abgeschlossen.
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