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Warum der Renten-Streit gut für die Regierung ist – und für Deutschland
Warum der Renten-Streit gut für die Regierung ist – und für Deutschland

Der tägliche Blick über den Tellerrand mit The Buzzard.

Guten Morgen,

Angela Merkel gab sich im Sommerinterview gestern alle Mühe über den Renten-Streit hinwegzutäuschen. „Bei der Rente hakt es überhaupt nicht“, betonte sie in der ARD. „Der Rente geht es gut.“ Ähnlich verkaufte es auch Innenminister Horst Seehofer. „Es fand nicht der Hauch eines Streits gestern statt“, bilanzierte er nach dem Treffen der Spitzen von SPD, CDU und CSU am Samstag in Berlin.

In der Sache bleiben die Fronten zwischen SPD und Union allerdings verhärtet. Finanzminister Olaf Scholz fordert, dass die Regierung den Bürgern versprechen solle, dass das Rentenniveau bis 2040 bei 48 Prozent stabil bleibt. Die Union hält das für unklug. Es sei noch unklar, wie man das hohe Rentenniveau finanzieren möchte. Scholz Vorstoß komme viel zu früh.

Scholz erntet zurzeit viel Kritik im politischen Berlin. Horst Seehofer warnte die SPD gestern in der ARD, „die Leute nicht zu verunsichern“. CDU-Politiker Karl-Josef Laumann kritisierte Scholz, weil er versuche das Ergebnis der Rentenkommission vorwegzunehmen – um Wahlkampf zu betreiben. Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, sagte der RHEINISCHEN POST vergangene Woche, die SPD versuche „mit markigen Sprüchen das Sommerloch für taktische Spielchen zu nutzen.“

Ebenso kritisch sehen es viele Journalisten in Deutschland. „Olaf Scholz macht es sich mit seinem Vorstoß zu leicht, und schadet der Debatte und seiner Partei“, schreibt Ferdos Forudastan in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Das HANDELSBLATT kommentiert: „Scholz schadet mit seinem Vorstoß zur Rente der Glaubwürdigkeit seiner Partei.“ Die STUTTGARTER ZEITUNG findet, Scholz Vorschlag sei „nicht finanzierbar.“

Anders sieht das der Journalist Rainer Woratschka im Berliner TAGESSPIEGEL. Er ist der Meinung, Scholz Vorschlag ist nicht nur wichtig. Er komme auch genau zur richtigen Zeit:

„Die Schere zwischen Arm und Reich öffnet sich immer weiter. Die Wohlhabenden für die alternde Gesellschaft mehr in die Pflicht zu nehmen, stünde den Sozialdemokraten gut an. Ohne kernigen Streit um so Wichtiges wie soziale Absicherung braucht sich keiner zu wundern, dass die Bürger das, was von den Volksparteien übrig ist, als Einheitsbrei wahrnehmen.“

 

Hier entlang zum Originalbeitrag

 

Jeden Montag- bis Freitagmorgen um 7 Uhr erscheint an dieser Stelle der Perspektivwechsel am Morgen. Hier finden Sie täglich einen Artikel, der zu einem aktuellen Tagesthema eine alternative Sichtweise bietet. Lesen Sie auch unsere Artikelsammlung zur Frage: Ist die deutsche Rente sicher?

Wer steckt dahinter?

Dario Nassal
Kommt aus:Gebürtig Stuttgart; jetzt: Leipzig; zuvor: Amsterdam & Mannheim
Politische Position:Findet Politik in Deutschland sollte umweltfreundlicher und sozialer gestaltet sein.
Arbeitet für/als:Gründer & Geschäftsführer bei TheBuzzard.org
Was Sie noch wissen sollten:Dario ist Mitgründer von TheBuzzard.org. Er hat zuvor bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG, der STUTTGARTER ZEITUNG und dem MANNHEIMER MORGEN geschrieben und Politikwissenschaften in Mannheim, Istanbul und Amsterdam an führenden europäischen Universitäten studiert.
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