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Gaming macht süchtig und einsam
Gaming macht süchtig und einsam

Das Argument in Kürze:

Für den Psychologen Bernd Sobottka steht fest: Dass immer mehr Menschen in Deutschland Videospiele zocken, kann zu einem ernsthaften Problem werden. Viele tauchen zu tief in die virtuelle Welt ein, verlieren ihre Freunde und werden süchtig. Dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Gaming als Suchtkrankheit einstuft, sei deshalb absolut richtig.

Der Unterschied zwischen realen und virtuellen Freunden

Wenn Sobottka wissen möchte, wie ernst es wirklich ist, dann stellt er seinen Patienten eine einfache Frage: „Wie viele Freunde haben Sie?“ Meist lautet die Antwortet „viele“. Aber dann hakt Sobottka nach. „Wie viele davon haben Sie im letzten Jahr getroffen?“ Oft stellt Sobottka dann fest: Viele Gamer, die exzessiv zocken, haben vor allem virtuelle Freunde. Freunde, mit denen sie gemeinsam online Computerspiele spielen, mit denen sie im Chat verbunden sind, aber die sie oft im echten Leben nicht kennen. Manche sind so tief in der virtuellen Welt versunken, dass sie den Unterschied zu realen Freunden kaum noch wahrnehmen. Wenn man diese Patienten dann aber mit der Realität konfrontiere und sie frage, wodurch sich Freundschaft auszeichne, dann sehen Patienten oft ein, dass diese virtuellen Freunde nicht für sie da sind, wenn es ihnen schlecht geht.

Im Interview mit dem Online-Magazin FLUTER betont Sobottka, dass er es richtig findet, dass die WHO Computerspielsucht offiziell als Krankheit einstuft. Selbstverständlich sei nicht jeder, der zockt, süchtig. Aber die Einstufung der WHO lenke die Aufmerksamkeit darauf, wie gefährlich das Suchtpotenzial von Videospielen sei. Und die Gefahr werde größer, je besser die Grafik und Programmierung von Videospielen wird:

Computerspiele ähneln durch die tolle Grafik immer mehr der Realität. Dinge, die im wirklichen Leben schwierig oder schwer erreichbar sind, wie zum Beispiel soziale Anerkennung, kann man da relativ leicht bekommen. Besonders für junge Menschen, die vielleicht im normalen Leben Schwierigkeiten haben, birgt das eine Gefahr. Die Spiele sind oft so gemacht, dass sie Anreize schaffen, immer weiterspielen zu wollen. Menschen können sich komplett in dieser virtuellen Welt verlieren.

Der Beitrag wird empfehlen von: Dario Nassal.

Weitere Beitrags-Tipps:

  • Nachdem die WHO Computerspiele als Suchtkrankheit eingestuft hat, ist in Deutschland eine Debatte darüber ausgebrochen, wie süchtig Computerspiele tatsächlich machen. Eine Gegenposition zum Psychologen Bernt Sobottka vertritt Ali Vahid Roodsari in der ZEIT. Er schreibt, durch die Einstufung als Suchtkrankheit, bestehe die Gefahr, dass besorgte Eltern ihre Kinder zu früh zum Arzt schickten und es zu vielen Fehldiagnosen komme.
  • Ein aktueller Podcasts des SWR beleuchtet das Phänomen Computerspielsucht von ganz verschiedenen Seiten. Im Podcast diskutieren der Medienpädagoge Stefan Aufenanger, Felix Falk, der Vertreter der deutschen Games-Branche, und Kai Müller, ein Psychologe für Spielsucht, darüber, wann Computerspiele tatsächlich süchtig machen und wann nicht.

Wer steckt dahinter?

Bernd Sobottka
Kommt aus:Kiel
Arbeitet für/als:arbeitet als leitender Psychologe der MEDIAN Klinik Schweriner See. Die Klinik in Lübsdorf hat sich auf die Behandlung von Suchterkrankungen spezialisiert.
Was Sie noch wissen sollten:Sobottka hat zunähchst Psychologie in Kiel studiert. Anschließend qualifizierte er sich für Verhaltenstherapie. Seit 1994 arbeitet er an der Suchtklinik Schweriner See.
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